Bühnenseelen und das Knistern in der Luft

_Anne Barth_

Auf der Bühne




“Das Theater zieht einen in den Bann. Hat man lediglich Bilder von einem Stück, fehlen die Musik und die Stimmen und somit ein großer Teil der Atmosphäre. Um das auszugleichen muss ich nah an die DarstellerInnen heran und Momente finden, in denen sie ganz eins mit ihrer Rolle sind. Ich will die Spannung einfangen, die schon fast die Luft zum knistern bringt. Anfangs hieß das für mich, dass ich mir jedes Stück einmal ansah, bevor ich es dann bei der nächsten Probe fotografierte. Inzwischen habe ich genug Übung. Ich lasse mir den Ablauf kurz erzählen und fotografiere direkt. Das zu erreichen hat einige Jahre und Vorstellungen gebraucht, hilft mir inzwischen aber auch sehr bei anderen Aufträgen.”

“Am liebsten fotografiere ich bei einer Probe auf der Bühne, bewege mich zwischen den SchauspielerInnen und ArtistInnen. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn ich ein Stück fotografiere. Ich tauche so sehr ein, dass ich vieles um mich herum gar nicht mehr wahrnehme.”

“Mit der Theaterfotografie begann es, als ich während des Studiums an der Fotoakademie in Köln den Auftrag bekam ‘Die Produktion von …’ zu fotografieren. Während meine KommilitonInnen zu Geigenbauern, Winzern und ähnlichem zogen, war für mich klar, dass ich die Produktion eines Theaterstückes dokumentieren wollte. So kam es, dass ich vier Wochen lang eine Kollaboration zwischen Schauspielern, Artisten und Musikern im Zirkus- und Artistikzentrum in Köln dokumentierte, die gemeinsam in einem sehr freien Schaffungsprozess ein Stück entwickelten. Diesen Prozess zu begleiten hat mich und meinen Blick auf das Theater sehr geprägt. Es ging dabei nicht darum, ein klassisches Stück in einer neuen Interpretation auf eine große Bühne zu bringen, sondern Dinge auszuprobieren, sich auf Neues einzulassen, seine Komfortzone zu verlassen und etwas hervorzubringen, das nur im Zusammenspiel Aller entstehen konnte.”

“Als Fotografin bin ich häufig einer der ersten Außenstehenden, die das Stück (fast) fertig sehen. Einmal wurde ich nach der Generalprobe gefragt, was ich davon halten würde, wie sich die Musik peu à peu verändert, indem sie von einem harmonischen Stück immer schräger und schiefer wird. Ich hatte es nicht wahrgenommen. Bei der Premiere, die ich als Zuschauerin sah, war mir unbegreiflich, wie es mir nicht hatte auffallen können, wie sehr die Musik sich verändert. Aber wenn ich fotografiere, wird so etwas offenbar nebensächlich für mich.

Vielleicht ist es auch das, was ich an der Theaterfotografie so mag, das Menschliche dazwischen. Mit einem bestimmten Regisseur habe ich schon häufig zusammengearbeitet. In der Zusammenarbeit mit ihm habe ich die Möglichkeit, mich sehr viel mehr in das Stück einzubringen, anstatt es wie sonst nur zu dokumentieren. So bin ich, obwohl ich ‘nur’ Fotografin bin, beim ersten Treffen mit den SchauspielerInnen dabei, kann Gedanken zum entstehenden Stück äußern und bin sehr frei, was die Umsetzung des Plakates angeht. Zum Teil konnte ich Filme und Bildsequenzen, die in dem Stück verwendet wurden, beisteuern. So wird aus der dokumentarischen Theaterfotografie auf einmal ein gemeinsamer Schaffensprozess, was mich persönlich sehr erfüllt.

Nach einigen Jahren in diversen Theatern kannte ich die ersten Fettnäpfchen und Fallstricke (nach der Generalprobe wird nicht applaudiert, man spuckt sich vor der Premiere über die Schulter und wünscht sich ‘Toi Toi Toi’, niemand läuft über den frisch geputzten Tanzboden usw.). Ich hatte viele SchauspielerInnen kennengelernt und wusste wie es wo zugeht. Nach und nach wurde mir bewusst, dass der Blick der ZuschauerInnen sich nur auf das Geschehen auf der Bühne richtet, etwas ganz essentielles aber verborgen blieb: die künstlerischen LeiterInnen der jeweiligen Bühnen. Die Menschen, die ihre Idee, vielleicht auch Vision, ihres Theaters umsetzen.

Manche Theater sind politisch, andere richten sich an Kinder, wieder andere sind extrem experimentell. Vor allem die kleinen Theater sind ein Spiegel der Persönlichkeit Ihres bzw. Ihrer künstlerischen LeiterIn, es sind für mich die ‘Bühnenseelen’. Diese Menschen wollte ich zeigen, ihnen eine eigene Bühne bieten. Für mich sind sie, neben den großartigen SchauspielerInnen, der Kern der Kölner Theaterszene. Somit portraitierte ich über 1,5 Jahre ca. 50 künstlerische LeiterInnen / IntendantInnen der freien Kölner Theaterszene.”

Hinter den Kulissen

Marina Barth_Klüngelpütz

Heinz Simon Keller_Theater der Keller

Mareike Marx_Metropol Theater

“Ich traf mich mit jedem bzw. jeder an einem Ort seines/ihres kreativen Schaffens. Und so wie ich bei der Bühnenfotografie versuche, den Moment der Rolle einzufangen, versuchte ich bei diesen Menschen ihre Persönlichkeit zu erfassen. Manchmal fand ich diesen Moment nach 15 Minuten, manchmal tranken wird vorher dreieinhalb Stunden lang Kaffee und unterhielten uns, bis genug Vertrauen und Offenheit da war, um den Menschen, und nicht nur eine Maske, zu zeigen.”

Anne Barth_Theaterfotografie_Portraits_Reportagen

Anne Barth ist seit 2016 selbstständige Fotografin, das Fotografie-Diplom wurde ihr kurz davor an der Fotoakademie in Köln verliehen. „Ins Theater bin ich schon immer viel gegangen. Als Grundschulkind hatte ich gemeinsam mit einer Freundin ein Abo für das Theater im nächsten Ort. Einmal im Monat putzten wir uns nach eigenem Ermessen fein heraus und sahen ‚Die Zauberflöte‘, ‚Die kleine Hexe‘, ‚Der Nussknacker‘ und vieles mehr. Als Studentin in einer anderen Stadt waren es unter anderem die vergünstigten Studententickets, die mich regelmäßig ins Theater zogen. Ein paar Jahre später heiratete ich sozusagen in eine Theaterfamilie ein, meine Schwiegermutter leitet das Kölner Kabarett-Theater ‚Klüngelpütz‘, mein Schwiegervater hat das Theaterpädagogische Zentrum, sowie das ‚Zirkus- und Artistikzentrum Köln‘ ins Leben gerufen.“

Bewegungen bannen und Licht einfangen

Selbstportrait_Pfingstrose

Bei ihrer ersten umfassenden Dokumentation der Entstehung eines Stückes während des Studiums begegnete sie auch den besonderen Herausforderungen und Tücken der Theaterfotografie. „Nun, sechs Jahre später, glaube ich, dass ich im Theater bzw. Zirkus (dabei spreche ich stets vom modernen Artistik-Zirkus) einen großen Teil meiner technischen Fähigkeiten erlangt habe. Im Theater und Zirkus ist es prinzipiell sehr dunkel, die Kontraste sind sehr hoch. Unsere Augen sind viel besser als eine Kamera in der Lage, schwierige Lichtsituationen zu kompensieren. Gleichzeitig gibt es unerwartete, mitunter schnelle Bewegungen. Dadurch kann ich einerseits nur kurz belichten, was der schlechten Lichtsituation zuwiderläuft, andererseits muss ich selbst sehr schnell sein und ‚wissen‘ wann wo was passiert. Aber auch das macht für mich den Reiz der Theaterfotografie aus. Ich stehe plötzlich in einer verrückten, bunten, mitunter schrillen Welt und während ich noch in sie eintauche, dokumentiere ich sie. Was mich berührt, fange ich mit meiner Kamera ein. Genau dafür bin ich Fotografin geworden.“

Die Serie ‘Bühnenseelen’ wurde im Rahmen der letzten Kölner Theaternacht im Oktober 2019 ausgestellt. Die Portraits sind auf der Webseite von Anne Barth zu sehen.

Die Fotos “auf der Bühne” entstanden in den Jahren 2016 bis 2020 in Köln.

Wer mehr über Anne Barth erfahren mag, kann sich auf ihrer Webseite, ihrem Instagram– oder Twitter-Account sowie auf ihrer Facebookseite umschauen.

Bildrechte: Die Fotos dürfen ohne Genehmigung der Fotografin Anne Barth nicht kopiert oder veröffentlicht werden.

Das kleine Kunstfoyer präsentiert: (Kunstleben mit) Teena Leitow

Küchengeschichten III oder: Du siehst so aus, wie ich mich fühle

~ Vom Festhalten schöner Momente ~

“Das Festhalten von besonderen Momenten ist schwierig. Wenn man sie dokumentieren möchte, zum Beispiel fotografisch, ist der besondere Moment ja schon vorbei, weil Du dann nicht mehr voll und ganz darin bist… Der Wunsch, etwas festzuhalten verändert bereits die Situation. Das ganz Besondere ist eigentlich das, was nicht festgehalten werden will. Besondere Begegnungen, Erfahrungen, Erlebnisse – flüchtig und daher so besonders. Erinnerung und Auseinandersetzung in künstlerischer Form (schriftlich oder bildlich) sind ja meist ein ‘Danach’. Ein Reflektieren, Interpretieren besonderer Momente und Gefühle.”

Wie kann man aus deiner Sicht den gegenwärtigen Augenblick würdigen und ihn ganz und gar auskosten?

“Im Jetzt sein. Klingt einfach, ist jedoch eine Kunst. Mir gelingt das besonders gut in der Natur – im Wald, am Meer oder im gARten und im künstlerischen Schaffensprozess.”

“Die Verbindung von Kunst und Leben ist mir sehr wichtig. Kunst eröffnet neue Perspektiven. Man muss ein Werk nicht zwingend intellektuell verstehen, man kann es auch intuitiv erfassen. Spricht das Werk zu Dir? Fühlst Du dich angezogen? Oder vielleicht auch abgestoßen? Wenn Kunst etwas Besonderes macht mit Dir, lohnt es sich, sich damit intensiver zu beschäftigen …”

Kunst, die meine Phantasie anregt, begeistert mich und ich möchte selbst auch mit meiner Kunst Phantasie und Liebe zum Leben beflügeln.

Foto aus dem Atelier.

“Unikate, Echtes, liebe ich. Von Menschen mit Hand und Liebe Gemachtes. Dafür möchte ich auch den Betrachter begeistern. Kunst gehört für mich nicht hinter verschlossene Türen oder in Tresore. Kunst gehört in den Alltag und gerne auch in die Küche. Ein Ort, wo sich die meisten Menschen gern und viel aufhalten. Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen ihren Sinn für das Besondere, Einzigartige und Individuelle entwickeln, in Kunst investieren und damit lebende KünstlerInnen unterstützen und nicht massenhaft, billig reproduzierte Drucke kaufen.”

Grüße aus der Küche

Zitat v. Tinguely

// Kühlschrank-Foto


~ Kunst und Leben l(i)eben ~

Kunst ist für mich geistige Nahrung. Das Erleben oder auch Träume künstlerisch zu verarbeiten, empfinde ich als sehr heilsam. Im Beuyschen Sinne möchte ich „unmögliche Gärten“ schaffen. Meine Serien Die Wundersamen und You and me in Octopussys garden in da sea stehen dafür vielleicht exemplarisch.

Da garden of Love and Peace
Die Wundersamen III

~

In meinem atelier acht gARTen gibt es alte Bäume, Wildpflanzen, wildes Gemüse, Pilze, besondere Fundstücke vom Meer und aus dem Wald, kleine Objekte, Skulpturen und Plätze zum Verweilen. Auch hier verbinden sich Kunst und Leben.

Die Natur ist meine liebste Inspirationsquelle. Die Zeiten am Meer im Wald und im gARTen genieße ich ganz besonders. Meerblau ist meine Farbe und waldgrün und und und. Jedes Mal sind die Farben dort anders. Sie verändern sich je nach Jahreszeit, Witterung, Licht … Ich liebe das. Wann immer möglich, bin ich dort. Da vergesse ich die Zeit, bin im flow, finde im Wald Pilze und am Meer Meeresgemüse – nebenbei sammle ich Müll und finde immer wieder Schätze, zum Beispiel besondere Scherben, die ich später in meinen Assemblagen verarbeite …

… Meine Farben finden. Dazu gibt es ein Interview von 2016:

Find dine farver

Der Aspekt der Umweltverträglichkeit ist mir auch in meiner künstlerischen Arbeit sehr wichtig. Früher (im Studium) habe ich auch mit Ölfarben gearbeitet, danach sehr lange mit Acrylfarben, seit 2016 sind Kreidefarben meine Favoriten. Sie sind sehr umweltfreundlich, gut zu verarbeiten und stinken überhaupt nicht … Für mein Blau mische ich unterschiedliche Farbtöne. Im Moment habe ich wohl parallel meine Blaue und Altrosa-Phase.

Wie entstehen deine Collagen? Wo findest du die Bestandteile dafür? Was macht die Arbeit daran besonders?

“In meinem Atelier habe ich einen großen Fundus an Materialien. In der Natur, unterwegs auf Reisen, auf Flohmärkten, in Antiquariaten … oder auch im Alltag finde ich immer wieder Dinge, die mich inspirieren. Häufig bekomme ich auch Material geschenkt, es gibt sehr freundliche Das kannst Du doch bestimmt gebrauchen-Sammler und Freunde. So kam ich zum Beispiel zu einer riesigen Sammlung alter Oblaten, Glanz-, bzw. Poesiebildern. Der nachhaltige Upcycling-Aspekt ist mir dabei sehr wichtig.

Häufig denke ich: Die Dinge finden mich zum richtigen Zeitpunkt … Manchmal verarbeite ich sie direkt, doch meistens sammle ich sie und sortiere nach Themen. Schräges, Humorvolles, Unsinn begleitet mich, so lange ich denken kann. Dazu kommt mein besonderes Interesse für die Natur, Wald, Meer, Früchte, Pflanzen, Pilze …”

Sammelboxen

Was macht dich glücklich? Was sind für dich schöne Momente?

“In Verbindung mit der Natur sein, künstlerisch tätig zu sein, Liebe und Frieden zu spüren im Austausch mit anderen Menschen – besondere Begegnungen, das macht mich glücklich: Im gARTen oder Atelier arbeiten, am Meer sein, im Meer schwimmen, im Wald sein, Pilze sammeln, Ausstellungen besuchen, eintauchen in die Kunst inspirierender KünstlerInnen, Lesen, Musik, Reisen, Freunde treffen, in meiner Pilzküche experimentieren …”

Drinnen – Atelier und Workshop

Zurzeit bereite ich mehrere Ausstellungen vor: eine Ausstellung in Salzhausen im Rahmen des Kultursommers des Landkreises Harburg, der Titel ist “Wundersame Begegnungen”. Desweiteren arbeite ich an 2 Werken für die Teilnahme an einer Ausstellung im Kiekeberg Museum. Und es gibt noch eine weitere Ausstellungsanfrage, da muss ich jedoch erst einmal die Möglichkeiten vor Ort klären.

Meine Arbeiten entstehen in meinem Atelier, wenn das Wetter es zulässt, arbeite ich auch gern draußen, zum Beispiel an der alten Tischlerwerkbank, die ich von meinem Opa geerbt habe.

Täglich arbeite ich ca. 4 bis 8 Stunden im Atelier, in intensiven Schaffensphasen ist es auch deutlich mehr. Da gibt es dann auch häufiger Nachtschichten. Wie sagte Picasso so schön: „Die Inspiration existiert, aber sie muss Dich bei der Arbeit finden.“

Manchmal brauche ich Stille zum Arbeiten und dann wieder Musik – es ist sehr unterschiedlich. Für meine Mixedmedia-Arbeiten benötige ich viele Collage- und Assemblage Materialen, natürlich versuche ich da ein Ordnungssystem zu schaffen – doch das kreative Chaos gewinnt immer wieder ;))

Meine ersten Collage-Workshops für Kinder und Jugendliche habe ich vor einigen Jahren im Rahmen des Projektes „Guck ma“ von hamburg mal fair an Hamburger Schulen durchgeführt. Es ging im Rahmen des Projektes der ‘Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)’ um die Auseinandersetzung mit Fairness und fairtrade und um die Visualisierung und künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Themen. Das hat mir viel Freude bereitet, daher biete ich auch im kleinen Rahmen für Kinder und Jugendliche individuelle Workshops bei mir im Atelier an.

Es motiviert mich, meine Interessen so zu verbinden, dass ich das, was ich leidenschaftlich gern tue und was mir guttut, auch gern mit anderen teile, die daran Interesse haben. Die Leidenschaft für Pilze begleitet mich seit meiner Kindheit und über die Jahre habe ich viel Wissen erworben. Einige FreundInnen haben mich im Laufe der letzten Jahre gefragt, ob ich sie mitnehme “in die Pilze”. Das waren dann jedes Mal ganz besondere Erlebnisse und daraus ist die Idee gewachsen, meine Pilzbegeisterung auch in berufliche Bahnen zu lenken.

Letztes Jahr habe ich meine Ausbildung zum Pilzcoach bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie erfolgreich abgeschlossen. Ich freue mich sehr darüber, meine Leidenschaft für Wald und Pilze nun neu mit dem kreativen Schaffen verbinden zu können.

Neben den neuen Workshops, die ich plane, wird mein Atelier jetzt auch zum Experimentierfeld für die Zucht von Edelpilzen. Mein Plan B, da ich ja in Bezug auf das erfolgreiche Sammeln von Waldpilzen immer sehr witterungsabhängig bin. Die Klimaveränderung ist auch in Sachen Pilze eine echte Herausforderung …


~ Faszination und Inspiration Rosenseitling ~

Wer sich für meine Pilz-Kreativ-Workshops und Seminare interessiert findet weitere Infos unter: https://pilzcoach.wordpress.com/

Draußen – Kunstaktion

#CleanUpThebeach

und

#LoveArtNature


#CleanUpThebeach – Fundstücke, Schätze für Assemblage-Arbeiten


#LoveArtNature – Langeland 2018

Kunstaktion #LoveArtNature an der Wismarbucht

Die Initialzündung für meine Müllsammel- und Kunstaktionen war 2014 in Dänemark. Da habe ich bei einer Müllsammelaktion am Strand mitgemacht: es war unglaublich, was wir dort alles gefunden haben. Seitdem kann ich gar nicht mehr in der Natur sein, ohne Müll zu sammeln. Früher habe ich mich häufig nur geärgert über die Vermüllung. Seit Jahren habe ich nun immer ein, zwei große Baumwollbeutel dabei und sammle den Müll, den ich tragen kann.

Da ich neben Müll auch Besonderes finde, das ich in meiner Assemblage-Kunst verarbeite, hatte ich vor ein paar Jahren die Idee, es auch an den Fundorten zu zeigen.

Der Müll kehrt also in Kunstform zurück und soll andere inspirieren, genauer hinzuschauen – und im besten Fall auch Müll zu sammeln, bzw. den eigenen Müll wieder mitzunehmen und ihn nicht achtlos in der Natur zu entsorgen …

Bei den Müllsammel- und Kunstaktionen komme ich immer wieder mit interessierten Menschen ins Gespräch. Das Feedback ist sehr positiv und manche machen tatsächlich spontan mit oder sie bekunden, dass sie in Zukunft auch Müll sammeln werden.


Schätze, gefunden auf Langeland, DK 2018 (Hühnergott und Treibgut-Holzsockel)
An der Ostsee

Aus der Aktion hat sich auch ein ganz besonderes Traveling Art Project mit meinen Freunden von heimathafen.one entwickelt: https://heimathafen.one/de/page/kunst-bord

Sponsoren, Mäzene für meine #CleanUpTheBeach und #LoveArtNature Aktionen sind herzlich willkommen. Auch mit dem Kauf meiner Kunst unterstützt Ihr diese Aktionen.

Liebe BesucherInnen des Kleinen Kunstfoyers, dankeschön für Euer Interesse.

Wenn Ihr mehr erfahren wollt, findet Ihr mich hier: 

Die aktuellen Ausstellungen, Vernissagen, die ich lange vorbereitet habe, wurden leider abgesagt oder unter Vorbehalt wegen der Corona-Situation verschoben. Bei Interesse findet Ihr den aktuellen Stand unter: https://atelierachtweb.wordpress.com/about.

Mein nächstes offenes Atelier „Kunst und Kännchen“ im atelier acht und gARTen findet voraussichtlich im Sommer statt. Save the date: 22. August 2020.

Herzlich, eure Teena Leitow

Bildrechte: Alle Bildrechte liegen bei © Teena Leitow. Die Bilder dürfen ohne Genehmigung der Urheberin nicht kopiert oder weiterverwendet werden.

~

Ihr Lieben, ich danke euch für den Besuch im kleinen Kunstfoyer. Dieses Projekt ist für mich eine Herzensangelegeheit, vor allem in Zeiten wie diesen. Unterstützt eure Lieblingskünstler*innen jetzt umso mehr, jeder kleine Beitrag zählt, er gibt nicht nur Mut, sondern kann helfen, Existenzen zu retten. Ich bereite für euch die nächste Ausstellung vor.

Eure Ina

Drei Künstlerinnen – Ein Buch: „Die Reise des Fuchses“


Ich kenne deinen Namen gar nicht, sagte der Fuchs eines Tages zur Krähe. Doch, antwortete sie.

© Madita Sternberg

Alles begann im Herbst 2017 mit einem Tweet auf Twitter. Die Bedeutung von Tieren in Märchen und Fabeln hat mich schon immer auf tiefe Weise berührt. Als ich längere Zeit gedanklich feststeckte, suchte ich einen Weg, die Situation anders betrachten zu können und plötzlich saß da der Fuchs am Fluss und stellte ihm Fragen. Kurz darauf landete die Krähe am Ufer. Sie gab dem Fuchs Antworten und immer öfter gingen sie ein Stück des Weges gemeinsam. Ich bekam wunderschöne Rückmeldungen zu den Tweets und wollte gerne mehr daraus machen.

Anna Thur und ich arbeiten schon seit vielen Jahren immer mal wieder zusammen an kleinen Projekten. Sie hatte erkannt, dass sich der Fuchs im Laufe der Zeit auf eine Reise begeben hatte. Sie wollte die einzelnen Momente verbinden.

Anna Thur: Der Fuchs tauchte immer wieder auf Twitter auf. Ich bemerkte, dass es kleine Teile von einem großen Ganzen sind, das musste einfach zusammengeführt werden.

Ihr Ansporn, ein Buch daraus zu machen, ermutigte mich, eine Idee weiterzuverfolgen, die mich in Bezug auf den Fuchs seit Beginn nicht mehr losgelassen hatte. Ich wollte ihn zeichnen lassen. Ich mag die Art der Illustrationen von Madita Sternberg sehr. Sie hat eine Hingabe für Details und Gespür für die Atmosphäre eines Momentes.

Madita Sternberg: Nach den ersten Skizzen in unterschiedlichen Stilen war schnell klar, dass der Fuchs und die Krähe ganz besonders aussehen mussten. Für mich wirkten die Texte immer wie eine Art Traum, und so fand ich es passend, dass auch die Bilder ein wenig nach einem Traum aussehen sollten.

Ich unterteilte das Buch in vier Kapitel, Madita zeichnete dazu und Anna gab den kleinen Momenten einen neuen Rhythmus und brachte alles zusammen in Buchform. Ich freue mich sehr, dass euch der Fuchs nun mit auf seine Reise nehmen kann.

Hier geht es zum Buch, darin findet ihr übrigens auch das ganze Gespräch zu unserem Projekt. Ich wünsche euch viel Freude damit.

Vom (Schreiben über das) Küssen

„Ein Kuss heißt: Ich lasse dich in mein Leben. Ich vertraue dir und schütze dich.“

(3)

 – M.E. Lee Jonas

Was ist das Schönste daran, eine Kussszene zu schreiben?

Ich bin dafür bekannt, solche Szenen diplomatisch zu umschreiben. Für mich spielt das Alter der Protagonisten eine große Rolle. Rede ich mit meiner 14-jährigen Tochter über das Küssen, reagiert sie wie ein Teenager. Sie errötet. In diesem Alter hat dies also noch eine andere Bedeutung. Meine Protagonisten sind vierzig Jahre und älter. Da gibt es plötzlich Bedenken, basierend auf früheren Erfahrungen und Verletzungen. Die Funktion eines Kusses verändert sich. Das schönste Gefühl, das ich in einer Geschichte ausdrücken kann: jeder aufrichtige Kampf lohnt sich. Ein Kuss bezeugt dann Hoffnung, Vertrauen und Dankbarkeit.

Was ist das Schwierigste daran, eine Kussszene auf das Papier zu bringen?

Ich lasse meine Erfahrungen, Werte und Bedeutungen mit einfließen. Es ist also eine Art »Entblößung« von Intimität. Ich versuche zu beschreiben, wie sich die Protagonisten wirklich fühlen. Ich bin keine Liebesroman-Autorin. Ich schreibe Dramedy und Urban-Fantasy. Das heißt, dass solch einer Kussszene viel Leid vorausgegangen ist und die Protagonisten sich dem Gefühl, dem sie sich lange Zeit verschlossen haben, stellen müssen. Das ist sehr schwierig, weil ich diese Empfindungen dann ebenso zulassen muss.

Welcher ist dein Lieblingssatz oder Absatz aus einer deiner geschriebenen Kussszenen und warum ist es dieser?

Sagen wir bedeutungsvollster Moment. In meinem Roman »MOSCHUSFIEBER #soulmate« durchleben die Protagonisten die tragische Seite der »wahren Liebe«. Beide in Ehen gefangen, die nur noch auf dem Papier bestehen, wehren sie sich gegen die Gefühle. Diese emotionale Verzweiflung verarbeiten die Protagonisten auf unterschiedliche Weise. Getrennt voneinander versuchen sie diese zu ignorieren oder zu verdrängen. Erst als die Protagonistin den Entschluss fasst, in eine andere Stadt zu ziehen, um ein neues Leben ohne ihn zu beginnen, kann er sich den Gefühlen endgültig stellen. Es ist eine Geschichte, die die Schattenseite einer Liebe zwischen gesellschaftlichen Verpflichtungen und großen, verzweifelten Emotionen erzählt. Die Schwierigkeit liegt immer darin, scheinbar einfachen Dingen wieder Bedeutung zu verschaffen.

»Es ist alles kompliziert … Ich war selbst überfordert und … Ich kann nicht …«, flüsterte er und umschlang meinen Nacken mit seinen weichen Händen.

Ich drehte mich weg und wich ein Stück zurück.

»Schluss mit den Spielchen. Du kannst nicht, und trotzdem soll ich als Lückenbüßer herhalten?«, blaffte ich mit bebender Stimme, worauf er auf mich zukam und mich küsste.

Ich wehrte mich ein paar Sekunden, bevor ich mich meinen Gefühlen hingab, die sich trotz der Ereignisse nicht verändert hatten.

»Ich kann nicht aufhören, dich zu lieben …«

(© M.E. Lee Jonas »MOSCHUSFIEBER #soulmate«)

Was bedeutet dir ein Kuss?

Ein Kuss heißt: Ich lasse dich in mein Leben. Ich vertraue dir und schütze dich. Bei meiner Tochter bedeutet er zudem: Keine Angst! Ich bin da! Du machst das toll! In der Öffentlichkeit heißt dies: Danke.

Wird dem ersten Kuss in Geschichten und Filmen eher zu viel oder zu wenig Bedeutung beigemessen?

Ich habe den Roman »Moschusfieber #soulmate« auch als Drehbuch umgeschrieben. Die Geschichte habe ich nicht verändert, den Ablauf jedoch für die Regie ändern müssen. Das Faszinierende war, dass es keine Rolle spielt, welchen Weg man wählt, die Gefühle ändern sich nicht. Jeder Leser oder Betrachter hat jedoch ein anderes Empfinden über die Wichtigkeit eines Kusses, basierend auf eigenen Erfahrungen.

~ * ~

(4)

„Ein Kuss bedeutet für mich die Abwesenheit von Zeit und Raum.“

– Jess Tartas

Was ist das Schönste daran, eine Kussszene zu schreiben?

Die Ruhe, die es braucht, um mich einzufühlen. Dass es notwendig ist, innezuhalten, wenn ich beschreiben will, was jemand spürt.

Was ist das Schwierigste daran, eine Kussszene auf das Papier zu bringen?

Schreiben bei geschlossenen Augen ist nicht immer so leicht.

Welcher ist dein Lieblingssatz oder Absatz aus einer deiner geschriebenen Kussszenen und warum ist es dieser?

Ich habe weder einen Lieblingssatz noch -absatz, aber ich erfinde einen, der mir jetzt gefällt.

Im Freibad. Wenn du kurz davor bist, dein Calippo-Eis aufgeschleckt zu haben und schon die Pappe schmecken kannst, dann ist der beste Moment für einen Kuss. Du siehst dich um und entdeckst den Typen, der immer da ist, immer bereit. Du weißt es, du hast ihn schon ein halbes dutzendmal geküsst. Du hängst dir dein Handtuch um die Schultern und gehst über den trockenen gelbgrünen Rasen. Die Papphülse steckst du dir in den Mund, saugst den letzten Rest klebriger Flüssigkeit heraus und wirfst die Verpackung in den Müll. Du und er, ihr kennt euch ja, es braucht nicht viel, um klar zu machen was du jetzt willst. Du hältst seine Hand, er umfasst deinen Kopf und führt seine Stirn an deine. Eure Nasen berühren sich, du wendest dich ab, er behaucht deine Wange, leckt dir deinen Hals und saugt sich fest. Du siehst den Himmel, blau und ewig, und mit einer kleinen Drehung schiebst du sein Gesicht vor deines, damit du deine Lippen auf seine legen und ihn am Beckenrand küssen kannst.

Mir gefällt der Absatz, weil er eine Erinnerung ist, die an der einen oder anderen Stelle für manche wahr sein könnte.

Was bedeutet dir ein Kuss?

Ein Kuss bedeutet für mich die Abwesenheit von Zeit und Raum. Ein Kuss ermöglicht es mir, eine Verbindung einzugehen, die nur in diesem Moment in dieser Handlung besteht. Und niemand kann dabei reden, das empfinde ich auch als wichtig.

Wird dem ersten Kuss in Geschichten und Filmen eher zu viel, oder zu wenig Bedeutung beigemessen?

Ich denke, es liegt ganz daran, wie viel man selbst dort hineinlegen möchte und wie empfänglich man gerade ist. So ein erster Kuss kann überraschen oder erlösen, angenommen oder abgelehnt werden. So ist es aber auch mit allen weiteren Küssen, denke ich. Die Herausforderung ist es, die nächsten Küsse nicht egal werden zu lassen.

~ * ~

Bildrechte: - Foto Nr. 3: Linsensüppchen 54 / linsensueppchen54.de 
- Foto Nr. 4: Anja Müller /
www.anja-mueller-fotografie.de

Vom (Schreiben über das) Küssen

„Es gibt keinen wichtigeren und schöneren Ausdruck für Liebe.“

(1)

– Markus Jäger

Was ist das Schönste daran, eine Kussszene zu schreiben?

Die emotionale Verbundenheit zweier literarischer Figuren nachvollziehbar zu erzählen funktioniert als großes Ganzes über die Handlung ihrer gemeinsamen Geschichte, wenn aber die Gefühle in einer mitreißenden Momentaufnahme kulminieren sollen, dann am Besten in und mit einem Kuss. Wobei dieser Kuss zur Spannungssteigerung auch nur angedeutet werden kann. Wichtigste Motivation dabei ist und bleibt für mich die glaubwürdige Zartheit.

Was ist das Schwierigste daran, eine Kussszene auf das Papier zu bringen?

Die Frage, wie man die Schallmauer der simplen Beschreibung zweier aufeinandertreffender Münder durchbricht. Welche Gefühle spielen sich in den Figuren ab? Gehen diese Emotionen miteinander d’accord? Wie stark ist die Erleichterung der sich Küssenden? Sind die Augen geschlossen? Wohin kann bzw. soll der Kuss führen? Vor welchem narrativen Kontext geschieht der Kuss?

Welcher ist dein Lieblingssatz oder Absatz aus einer deiner geschriebenen Kussszenen und warum ist es dieser?

Ich habe eine (noch unveröffentlichte) Erzählung über eine schwule Liebesgeschichte geschrieben, in der einer der beiden Protagonisten nicht geoutet ist. Titel dieser Geschichte ist „Der Kuss als Wort“. Für mich bekommt der Kuss hier eine politische Bedeutung. Denn wer den Menschen, den er/sie liebt, in der Öffentlichkeit nicht zu küssen wagt, wird immer wieder zur Frage der Glaubwürdigkeit seiner/ihrer Liebe gezwungen. Ein aufreibender Konflikt, an dem die Liebe auch heut noch viel zu oft scheitert. Deshalb ist mir diese Erzählung besonders wichtig.

„Als sie nur Tage später einen öden grauen Gipfel im Schutz der dunklen Nacht erklommen, fiel ihr erstes Wort der Wahrheit über Schluchten in die Welt. Allein zu zweit. Wo niemand sah, was niemand sehen durfte. Erst dann wand sich der Weg nach unten und sie marschierten wieder heim. Denn ein Kuss, den andere sahen, ließ die Welt erkennen, was für S. die Welt nichts anging.“

Was bedeutet dir ein Kuss?

Es gibt keinen wichtigeren und schöneren Ausdruck für Liebe. Wenn wir mit einem Kuss nicht in der Lage sind unser Gefühl zu artikulieren, ist die Glaubwürdigkeit unseres Gefühls von vornherein zu hinterfragen. Wenn wir mit einem Kuss der Liebe authentisch Ausdruck verleihen, ist die Liebe nackt und echt. So wie unser Dasein in diesem Moment nackt und echt ist.

Wird dem ersten Kuss in Geschichten und Filmen eher zu viel, oder zu wenig Bedeutung beigemessen?

Das kommt auf die Geschichte beziehungsweise den Film an. Solange die oben erwähnten Impulse beim literarischen Küssen inkludiert sind, kann meines Erachtens nicht genug geküsst werden. Wenn allerdings nur das eine oder andere Hollywood Klischee vermarktet werden soll, wird man allzu schnell satt.

~ * ~

„Ich würde gern viele Menschen küssen. Damit meine ich Küsse der Begeisterung und Zuneigungsbekenntnis. Ich verteile auch Handküsse.“

(2)

– Julia von Rein-Hrubesch

Was ist das Schönste daran, eine Kussszene zu schreiben?

Das Kribbeln. Meist ist es so, dass man auf einen Kuss hinschreibt. Man fiebert ihm also entgegen. Wobei ich persönlich selten küssen lasse. Wenn man sich küsst, ist die intime Berührung passiert, der Zauber des Wartens und Erwartens vorüber. Ich leide lieber an der Sehnsucht.

Was ist das Schwierigste daran, eine Kussszene auf das Papier zu bringen?

Den Zauber innezuhalten. Beim Küssen berühren sich Lippen, oder Lippen berühren Haut. Der Prozess selbst gibt also nicht viel her, um den Leser fiebern zu lassen. Man sollte die Szene so gestalten, dass das Drumherum die eigentliche Magie ist. Ein scheues Lächeln gefällt mir da oder gerötete Wangen. Ganz wichtig ist auch der Ort. Er sagt was über die Küssenden aus. Eigentlich stehen Autor*in viele Möglichkeiten zur Verfügung, man kann spielen. Es geht darum, es gut zu machen. Eine Kussszene neben einer Mülltonne zum Beispiel, bei dem es dem Leser heiß wird, zeugt von guter Kunst.

Welcher ist dein Lieblingssatz oder Absatz aus einer deiner geschriebenen Kussszenen und warum ist es dieser?

Da muss ich erst mal suchen. Ich geize mit Küssen in meinen Geschichten. Es geht ja meist um Suchende, und Küsse findet man nicht so leicht.

Und dann macht er einen Schritt auf mich zu, und noch einen, und ich, weil ich mal wieder nichts raffe, mache einen Schritt zurück und noch einen.
Bis ich mit dem Rücken an der Hallenwand stehe, und Tony direkt vor mir. Er stellt seine Tasche auf den Boden und stützt den Arm an der Mauer ab. „Wenn du noch einen Schritt machen willst, muss du dich schon durch die Steine bohren“, sagt er und grinst sein einzigartiges, schiefes Grinsen.
„Ich …“, mache ich, weil ich zu mehr nicht in der Lage bin.

„Willst du das?“, fragt Tony und grinst mich an. „Willst du noch einen Schritt machen? Dann nehme ich meinen Arm weg. Nur ein Wort, Fee.“

Ich schlucke. So langsam fällt bei mir der Groschen, auch wenn das nicht bedeutet, dass ich was Sinnvolles tun oder sagen kann. Ich schaffe es grad noch, mit dem Kopf zu schütteln.

Und dann …

… küsst er mich.

Es ist diese Szene, weil es die einzige von mir ist, in der sich geküsst wird. Aber ich mag sie auch so sehr.

Was bedeutet dir ein Kuss?

Uff, es wird nicht leichter.

Ein Kuss bedeutete mir viel. Ich würde gern viele Menschen küssen. Damit meine ich Küsse der Begeisterung und Zuneigungsbekenntnis. Ich verteile auch Handküsse. Es gibt ja so viele verschiedene Arten von Küssen, deswegen muss man da vorsichtig sein, wem man welche gibt.

Wird dem ersten Kuss in Geschichten und Filmen eher zu viel, oder zu wenig Bedeutung beigemessen?

Mit dem Küssen wird viel Schindluder getrieben! Vor allem finde ich die ersten Küsse in Filmen und Serien immer ganz schlimm, da fühle ich mich persönlich beleidigt. Jeder wartet drauf, dass sich endlich geküsst wird, und dann werden Lippen aufeinandergepresst und Köpfe hin und hergeworfen. Das finde ich gemein. Der erste Kuss ist Sinnlichkeit, oder? Er trägt schon die Sexualität in sich, doch die kommt erst später. Außer, es ist ein One-Night-Stand. Meine Güte, das sind echt schwere Fragen, haha.

Ich kann keine Figur mehr ernst nehmen, die beim ersten Kuss Zunge und Speichel preisgibt. Küsse sind heilig. Und das zeigt, was für ein mächtiges Instrument sie sind. Da kann man viel falsch machen. In den Büchern, die ich lese, wird wenig geküsst. Mann, das klingt ja traurig. Mitgefiebert hab ich echt bei Herr Lehmann, ich wollte so sehr, dass er die schöne Köchin küsst. Und das ist schon lange her. Teenieküsse werden meist verhauen, ich finde, das kann Stephen King gut. Teenager küssen magisch, da muss man sehr aufpassen, dass man es richtig einfängt. Und ich finde, dass Küsse in Genres, die nicht zur Liebe gehören, zu wenig vorkommen. Das werde ich selbst in Zukunft mal ändern 🙂 Die Frage bleibt auch, warum das so ist. Ich schätze, weil man da Angst vor dem Klischee hat: Oh, jetzt kommt gleich die Romantikkeule.

Bildrechte: – Foto Nr. 1: Linsensüppchen 54 / linsensueppchen54.de
– Foto Nr. 2: Anja Müller / www.anja-mueller-fotografie.de

Szenengerüst – Vorbereitung für das Schreiben

Ihr Lieben, ich entwickle gerade ein Szenengerüst zur Vorbereitung auf das Schreiben. Ich habe gemerkt, dass ich mich beim reinen schreiben der Szene immer auf zu vieles konzentrieren musste. Das war nicht nur anstrengend, sondern hat den Schreibfluss oft unterbrochen. Also habe ich ein Szenengerüst entwickelt, um vorher schon einiges festzulegen. Bisher habe ich folgenden Aufbau:

Aus welcher Situation kommt die Figur?

Welche Emotionen hat die Hauptfigur in der Szene?

Welche Stimmung herrscht ggf. bei den anderen Figuren?

Ist es eine zufällige oder geplante Situation in dieser Szene?

Wo findet die Szene statt?

Welche Atmosphäre herrscht dort und warum?

Welche Komponenten könnten die Atmosphäre und die Emotionen unterstreichen? (Hier auch an extreme Gegensätze denken)

  • Wetter:
  • Lichtverhältnisse:
  • Räumlichkeiten:
  • Einengende oder weite Kulisse:

Wonach riecht es?

Was für Geräusche gibt es?

Welche Farben dominieren?

Was löst die Umgebung bei der Figur aus?

Was wird die Figur erfahren, was sie vorher nicht wusste?

Welche Szene folgt?

Wird es eine zufällige oder geplante Situation?

Wie geht es der Figur am Ende der Szene?

Was hat sie Neues erfahren?

Was hat sich in ihrer inneren Einstellung verändert?

Schreibt mir, ob ihr mit ähnlichen Instrumenten arbeitet und/oder was ihr bei diesem Gerüst noch ergänzen würdet. Und meine lieben Leserinnen und Leser: Wodurch wird für euch eine Szene lebendig? An was erinnert ihr euch hinterher besonders? Ich freue mich auf eure Mails:

InasPostkasten@ina-steg.de

Über Handgeschriebenes und die Kraft schöner Erinnerungen

Interview mit Jennifer Düing

Jennifer Düing lädt durch ihre Worte zum Innehalten ein. Auf Twitter hält sie Alltagsmomente mit oft kurzen Beschreibungen fest, die sie in ihre eigene poetische und sanfte Gedankenwelt verwebt. Als Postkartenautorin verschickt sie Gedichte und Kürzestgeschichten, damit es in den Briefkästen wieder bunter wird.

Ich freue mich sehr, dass du mir ein wenig über dich verraten magst. Du hast vor knapp zwei Jahren deine Idee in die Tat umgesetzt und wurdest Postkartenautorin. Wie kam es dazu?

Schon lange hegte ich den Wunsch Postkartenautorin zu sein. Ich wusste nicht wie das aussehen würde. Bis ich im schlimmen Liebeskummer einfach meine alten Gedichte hervor kramte und anfing neue zu schreiben. So war der große Kummer auch großes Glück.

Wann kommen dir die Ideen für deine Gedichte und Geschichten?

Die Gedichte und Kürzestgeschichten schreibe ich in Cafés, in der Sauna, im Zug. Immer unterwegs. Manchmal trage ich die Idee für einen Text einige Tage oder gar Wochen mit mir rum, bis ich ihn einfach runter schreibe in wenigen Minuten. Das sind mir die liebsten.

Was waren bisher deine schönsten Momente als Postkartenautorin?

Die schönsten Momente sind die, wenn die Postkarten schöne Erinnerungen wecken. Einmal erzählte mir jemand, nachdem sie ein Gedicht gelesen hatte, wie sie im blauen See baden war, schwerelos fühlte sie sich. Das war einzigartig für sie. Dabei leuchteten ihre Augen.

Was bedeuten dir Postkarten und Briefe?

Sie sind für mich eine Form der Kommunikation, die mehr nach innen geht. Durch die Hand geschrieben empfinde ich sie als persönlicher. Meine beste Freundin und ich wohnen mittlerweile am jeweils anderen Ende von Deutschland. Leider schaffen wir es kaum uns zu schreiben. Daher schreiben wir uns Briefe über die Themen, die wir diskutieren wollen. Unser letztes Thema war Glück und Glücklichsein. Ich freue mich immer, wenn ich wieder einen Brief von ihr in der Post finde. Und genauso geht es mir mit Postkarten.

Erzählt die Handschrift eines Menschen etwas über ihn?

Vor einiger Zeit schrieb ich auf Twitter: Unsere Handschrift verrät etwas über uns. Nur was, das ist die Frage. Eine poetische.  Wenn ich einen handschriftlichen Text sehe, stelle ich mir gleich die Person dazu vor. Das muss nicht konkret sein. Dennoch lässt es zwischen SchreiberIn und LeserIn eine Nähe entstehen und gibt einen kleinen Einblick in die Welt. Wenn auch nur gefühlt. 

Etwas Neues zu wagen braucht Mut und Kraft, manches hat einen langen Vorlauf. Wie empfindest du diesen Weg zu einem bestimmten Ziel?

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist anzufangen. Es muss nicht perfekt sein, alles kann sich entwickeln. Viel wichtiger ist es, sich ans Herz zu fassen und einfach zu machen. Wenn man nicht anfängt, verlieren sich vielleicht sogar die Ziele und Wünsche. Und darum wäre es doch sehr schade.

Jennifer findest du auf Facebook: https://www.facebook.com/nachtblau/photos und Instagram: https://www.instagram.com/postkartenautorin/ sowie auf Twitter als @nachtblau und @goldmomente.

Bildrechte: Jennifer Düing

Von einem Einkaufszettel im Park und seinen Geschichten

 

 

Eine Geschichte entsteht manchmal nur durch eine Gegebenheit, durch einen bestimmten Moment. So war es auch mit „Letzte Zutat Liebe“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich mag die Einkaufszettel von anderen. Wenn ich einen im Einkaufswagen finde, schaue ich ihn mir an, betrachte die Art des Papiers, fahre die Handschrift mit der Fingerspitze entlang und studiere die Liste darauf. Ich stelle mir vor, wie die Verfasserin oder der Verfasser sie geschrieben hat und wofür. Manche Zettel sind sehr schlicht gehalten, einige detailliert, fast alle sind mit Kugelschreiber verfasst und oft auf kleinen weißen Notizzetteln aus einem Block. Ich lege die Zettel immer zurück, vielleicht schaut sie sich jemand anderes ja genauso gerne an wie ich.
Wenn ich spazieren gehen, schaue ich meist auf den Boden, auch wenn ich die Bäume und die Wolken liebe, halte ich gern Ausschau nach Steinen. Im März 2016 ging ich durch einen kleinen Park in der Nähe meiner Wohnung und sah etwas Weißes aufblitzen. Es war ein Zettel. Ich betrachtete ihn genauer, es war ein Einkaufszettel. Dafür, dass er auf der Erde gelegen hatte, war er kaum verschmutzt. Ich setzte mich in die Sonne und betrachtete ihn lange. Ich fragte mich, ob ihm jemand aus der Tasche gefallen war? Ich fand den Fundort ungewöhnlich, im Park zückt man selten seine Geldbörse. Der Knick in der Mitte war stark ausgeprägt, so als habe das Papier etwas länger in dieser Position verharrt. Vielleicht hatte ihn jemand eine Zeit lang in der Hosentasche?
Es war schön, was dieser Zettel alles in mir auslöste und zu welchen Fragen er mich verleitete. Die Zutaten schienen für ein umfangreiches Gericht zu sein, vielleicht sogar geplant für einen Besuch oder eine kleine Feier. Mir gefiel die Handschrift, besonders das große „K“ und das „L“, sie waren wie kleine Kunstwerke. Ich mochte den „Filzkleber“, der inmitten der Lebensmittel auftauchte, er tanzte so herrlich aus der Reihe, zudem schien er, so wie das Wort “Bananen”, von jemand anderem dazu geschrieben worden zu sein.
Ich behielt den Zettel und in den darauffolgenden Tagen schweiften meine Gedanken immer wieder ab. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, der Verfasserin oder dem Verfasser ein paar Fragen zu stellen, hätte ich sie gerne genutzt. Wer weiß, was für eine Geschichte ich zu diesem Zettel erfahren hätte? Was mir persönlich nicht gelang, ließ ich meine damalige Hauptfigur, die neugierige Astronautin Laura erleben. Sie fand einen Zettel, folgte seiner Spur und traf auf die Köchin June. So entstand nach und nach ihre gemeinsame Geschichte. Was scheinbare Kleinigkeiten auslösen können, fasziniert mich immer wieder, ich denke, dass es sich lohnt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Hier geht es zu “Letzte Zutat Liebe”: https://ylva-verlag.de/buecher/letzte-zutat-liebe/

Bildrechte: (1) K. Salamon; (2) I. Steg.

Über das Glück, mit jemandem eine Geschichte zu schreiben

Zugeschnitten2

                          Zugeschnitten

             

“Gasse ohne Mondlicht”

 

 

 

Schreibprojekt mit Jolene Walker

Sechs Monate lang durfte ich mich auf ein Schreibabenteuer einlassen, was in mir tiefe Spuren hinterlassen hat. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht nur über das Schreiben selbst, sondern auch, wie ich anderen Menschen begegne.

Ich folge Jolene Walker seit langer Zeit auf Twitter. Ich mag ihre Tweets über starke Gefühle, wie Sehnsucht, Leidenschaft und Liebe, aber auch über Zweifel und Trauer. Jolene hat den Mut diese Empfindungen klar zu benennen. Dieser Mut findet sich auch in ihren Geschichten. Ihre Figuren stecken oft in einem Strudel aus Gefühlen, sind in ihren Worten und Gesten aber sehr klar und treffen einen damit mitten ins Herz.

Ich arbeitete im letzten Jahr an einer Geschichte, deren Thema mir sehr wichtig ist. Ich habe es schon ein paar Mal erleben dürfen, Menschen zu treffen, die ich sehr mochte, aber nicht klar benennen konnte, in welche konkrete Richtung das Ganze ging. Bevor ich oder der beziehungsweise die andere den nächsten Schritt machte, trennten sich unsere Wege. Ich habe mich gefragt, wie es gelaufen wäre, wenn man den Mut gehabt hätte, sich nur für einen einzigen Abend zu treffen, mit der Übereinkunft, sich gegenseitig Fragen zu stellen und diese ehrlich zu beantworten.                                                         Ich fühlte mich zu Jolenes Art des Schreibens hingezogen. Vielleicht spürte ich auch, dass es eine Art war, die mir zu diesem Zeitpunkt sehr fehlte. Denn die beiden Frauen, Jill und Catrin, blieben trotz meines Vorhabens, sie mutig sein zu lassen, in meiner Geschichte eher oberflächlich. Ich fragte Jolene, ob sie mit mir an der Geschichte arbeiten wolle. Sie sagte zu. Ihre Idee, den Text von Beginn an gemeinsam zu bearbeiten war genau richtig. Wir tauschten uns über die Hintergründe von Jill und Catrin aus und ließen ihr Treffen in einem etwas heruntergekommenen, aber gemütlichen italienischen Restaurant stattfinden. Wir legten weder den Verlauf, noch das Ende der Geschichte fest. Ich machte den Anfang und als ich den Text abgeschickt hatte, erlebte ich etwas sehr Schönes. Mich packte Nervosität und Vorfreude zugleich. Ich, beziehungsweise Catrin, saß in dem Restaurant und wartete.

Wenn man alleine für seine Figuren und den Verlauf der Geschichte verantwortlich ist, weiß man in welche Richtung man will. Man schreibt und webt die Fäden unaufhörlich weiter. Doch unsere Art der Zusammenarbeit zwang mich, abzuwarten was passieren würde. Und so, wie es im Leben auch oft ist, malte ich mir dennoch aus, wie die Begegnung ablaufen könnte. Als Jolene mir den nächsten Abschnitt schickte, traf Catrin auf eine charmante, aber auch vorsichtige Jill, von der ich insgeheim gehofft hatte, sie wäre offener. Ich hatte mir gewünscht, dass Jill das Ruder übernehmen würde und Catrin einfach auf sie reagieren müsse. Zwischen ihnen entstand eine intime und sehnsuchtsvolle Spannung. Keine von beiden wollte diese durch falsche Worte oder Gesten kaputt machen. Mir wurde klar, dass ich die beiden durch meine Vorüberlegungen nicht mehr in eine bestimmte Richtung drängen wollte. Ich verweilte in der jeweiligen Situation, wenn ich den Text abschickte und ließ mich darauf ein, erst zu reagieren, wenn die neue Entwicklung vor mir lag. Ich wusste nie, was mich erwartete und konnte mich nicht darauf vorbereiten, was der neue Abschnitt in mir auslösen würde. Das machte das Schreiben zu einem sehr intensiven Erlebnis.

Diese Erfahrung hat mich verändert. Ich will seitdem anderen Menschen bewusster begegnen. Ich versuche, mir nicht ständig vorzustellen, wie ein Treffen ablaufen könnte oder wünsche mir bestimmte Reaktionen herbei. Ich begebe mich in die Situation und lasse sie mit dem anderen entstehen. Ich spüre, dass diese Herangehensweise mein Schreiben ebenfalls beeinflusst. Ich lasse die Figuren aufeinandertreffen, ohne dass ich das Ende der Szene festlege. Mich durchströmt neuer Mut, die Kontrolle abzugeben und mich ganz und gar auf die Gefühle einzulassen, die im Wechselspiel Moment für Moment entstehen. Und das alles, weil Jolene mir ein „Ja“ geschenkt hat. Ich werde diese Zeit nie vergessen.

 

Hier kommt ihr zur “Gasse ohne Mondlicht”

Cover

Auf den Spuren von Robin Hood – Ein Roman entsteht

DSC_0055

        Von der Suche nach einem Romanthema, einer Recherche, die fast in einem Papierkeller geendet hätte und einer Hauptfigur, die einen realen Helden zum Vorbild hat

 

 

 

Nachdem „Alles nur Kulisse“ veröffentlicht war, begann ich mir Gedanken über eine neue Geschichte zu machen, die das Potenzial für einen Roman haben könnte. Da mich die Figuren und die Thematik lange begleitet hatten, verbrachte ich viele Wochen damit zu überlegen, womit ich mich nun intensiv beschäftigen wollte. Ich wusste, dass es etwas sein musste, was meine Neugierde wecken würde, um bei den Recherchen nicht zu schnell aufzugeben, vor allem wenn es mal knifflig werden sollte und ich wollte ein spannendes Thema auswählen, das hoffentlich auch den Leserinnen und Lesern interessante Details vermitteln würde.

Eines Tages betrachtete ich meine Film- und Büchersammlung und ließ die Erinnerungen der Geschichten auf mich wirken. Robin Hoods Abenteuer lösten jedes Mal vielseitige Gefühle bei mir aus. Zum einen hatte er ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm gewählt und blieb doch den Menschen zugewandt. Mehr noch: da ihm selbst große Ungerechtigkeit widerfahren war, tat er alles, um andere davor zu bewahren. Pfiffig, charmant und gewitzt bestahl er die Reichen und verteilte das Geld an die, die es brauchten. Mich berührte der Wille, etwas verändern zu wollen und der Mut, sich gegen die Mächtigen durchzusetzen. Robin machte zudem keinen Unterschied, ob er nur einem Einzelnen helfen konnte oder Vielen, er handelte in dem Bewusstsein, dass jede seiner Gesten, jede kleine Veränderung, wichtig war.

Was würde ich erfahren, wenn ich mich auf die Spuren von Robin Hood begab? Und was für eine Geschichte könnte entstehen, wenn ich Robin in unsere Zeit hineinschreiben würde: als lesbische Frau. Diese beiden Fragen ließen mich nicht mehr los und ich begann zu recherchieren. In der Bibliothek entdeckte ich unter anderem das Buch „Helden gegen das Gesetz“ von Helmut Höfling.

Höfling schrieb in einem witzigen und intensiven Erzählton, der mich später beim Schreiben immer wieder anspornte. Die vielen Fakten, die er in Archiven und alten Schriften recherchiert hatte, brachten mir die Räuberhelden näher, die bis heute den Stoff für Geschichten liefern – auch zur Legende von Robin Hood. Denn dass Robin wirklich existiert hat, konnte bisher nicht bewiesen werden. Auch wenn in der Schatzkammerrolle von Yorkshire für das Jahr 1230 ein gewisser „Robertus Hood fugitivus“ erwähnt wird und Robin Hood um 1400 in Chroniken als historische Gestalt auftaucht, so scheint er doch eine Schöpfung der Volksphantasie zu sein. Diese stützt sich auf die Zeit um 1066, als sich sächsische Bauern und Edelleute gegen die normannischen Eroberer zu Wehr setzen mussten und einige durch ihren Mut hervorstachen.

Doch es gibt einen Mann, der als reales Urbild der literarischen Räuberhauptmänner gesehen werden kann. Am 1. April 1734 wurde Angelus Josephus Duca in der italienischen Provinz Salerno geboren. Er hätte ein Leben als Bergbauer führen können, doch durch einen Streit mit dem Feldhüter des Herzogs, zog er dessen Zorn auf sich. Angelo floh in die Berge und kämpfte von da an für die Unterdrückten, wobei er rohe Gewalt verabscheute und stets eine bestimmende Höflichkeit an den Tag legte. Tausende wählten damals das Leben als Räuber, doch durch seine besondere Art wurde Angelo für die Bevölkerung zum Helden.

Angelos Geschichte inspirierte den deutschen Schriftsteller Christian August Vulpius und er erschuf um 1799 den Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini – diese Figur gibt es bis heute, in neuen Geschichten, Filmen und Theaterstücken. Viele ihrer Charakterzüge wiederum finden sich auch bei Robin Hood. Ich bin sehr dankbar, wie sich manchmal im Leben alles zusammenfügt. Während ich meine Recherchen kurz unterbrach, wurde das vergilbte Buch von Höfling von 1977 aus dem Bestand der Bibliothek ausgesondert. Hätte ich dort später mit der Recherche begonnen, wer weiß, auf welche Quellen ich stattdessen gestoßen wäre und welcher Erzählton mich beim Schreiben begleitet hätte. Das Angebot der Bibliothekarin, mit mir in den Container des Papierkellers zu klettern um das Buch zu suchen, musste ich zum Glück nicht annehmen, da ich noch eine Ausgabe im Internet in einem Antiquariat fand.

Cover

Während der Entwicklung der Geschichte stellte ich mir immer wieder die Frage: Wie würde es meiner Robin in unserer heutigen Gesellschaft gehen, wenn sie sich für andere einsetzte und ihre Interessen hinten anstellte?

 

 

 

 

 

 

Meine Heldin, Robin, wurde mit jeder Zeile, die ich über die alten Räuber las, lebendiger. Was würde ihr in unserer heutigen Gesellschaft widerfahren, wenn sie sich engagierte und für andere einsetzte? Gleichzeitig begann ich nach einer interessanten Frau zu suchen, in die Robin sich verlieben würde. Robin musste oft gegen das Gesetz handeln, wie würde sie sich wohl verändern, wenn ihr Herz plötzlich von einer Frau erobert wird, die voll und ganz hinter diesen Regeln steht? Ich vertiefte mich in die Kriminaltechnik und war fasziniert von der komplexen Arbeit der Techniker und Wissenschaftler. Indem sie die feinsten Spuren sichtbar machen, die kleinsten Details analysieren und diese Indizien zusammenfügen, helfen sie Fälle jeglicher Art aufzuklären. Ich sah eine neugierige Frau vor mir, mit viel Energie und dem Einsatz für das Gute: Hannas und Robins Geschichte konnte beginnen. Ich freue mich, sie endlich mit euch teilen zu dürfen und hoffe, ihr habt viel Vergnügen, die beiden bei ihrer Suche nach Gerechtigkeit und Liebe zu begleiten.

     Weitere Infos zu dem Roman gibt es beim Ylva Verlag: http://ylva-verlag.de/buecher/eine-diebin-zum-verlieben/

error: Content is protected !!