Szenengerüst – Vorbereitung für das Schreiben

Ihr Lieben, ich entwickle gerade ein Szenengerüst zur Vorbereitung auf das Schreiben. Ich habe gemerkt, dass ich mich beim reinen schreiben der Szene immer auf zu vieles konzentrieren musste. Das war nicht nur anstrengend, sondern hat den Schreibfluss oft unterbrochen. Also habe ich ein Szenengerüst entwickelt, um vorher schon einiges festzulegen. Bisher habe ich folgenden Aufbau:

Aus welcher Situation kommt die Figur?

Welche Emotionen hat die Hauptfigur in der Szene?

Welche Stimmung herrscht ggf. bei den anderen Figuren?

Ist es eine zufällige oder geplante Situation in dieser Szene?

Wo findet die Szene statt?

Welche Atmosphäre herrscht dort und warum?

Welche Komponenten könnten die Atmosphäre und die Emotionen unterstreichen? (Hier auch an extreme Gegensätze denken)

  • Wetter:
  • Lichtverhältnisse:
  • Räumlichkeiten:
  • Einengende oder weite Kulisse:

Wonach riecht es?

Was für Geräusche gibt es?

Welche Farben dominieren?

Was löst die Umgebung bei der Figur aus?

Was wird die Figur erfahren, was sie vorher nicht wusste?

Welche Szene folgt?

Wird es eine zufällige oder geplante Situation?

Wie geht es der Figur am Ende der Szene?

Was hat sie Neues erfahren?

Was hat sich in ihrer inneren Einstellung verändert?

Schreibt mir, ob ihr mit ähnlichen Instrumenten arbeitet und/oder was ihr bei diesem Gerüst noch ergänzen würdet. Und meine lieben Leserinnen und Leser: Wodurch wird für euch eine Szene lebendig? An was erinnert ihr euch hinterher besonders? Ich freue mich auf eure Mails:

InasPostkasten@ina-steg.de

Über Handgeschriebenes und die Kraft schöner Erinnerungen

Interview mit Jennifer Düing

Jennifer Düing lädt durch ihre Worte zum Innehalten ein. Auf Twitter hält sie Alltagsmomente mit oft kurzen Beschreibungen fest, die sie in ihre eigene poetische und sanfte Gedankenwelt verwebt. Als Postkartenautorin verschickt sie Gedichte und Kürzestgeschichten, damit es in den Briefkästen wieder bunter wird.

Ich freue mich sehr, dass du mir ein wenig über dich verraten magst. Du hast vor knapp zwei Jahren deine Idee in die Tat umgesetzt und wurdest Postkartenautorin. Wie kam es dazu?

Schon lange hegte ich den Wunsch Postkartenautorin zu sein. Ich wusste nicht wie das aussehen würde. Bis ich im schlimmen Liebeskummer einfach meine alten Gedichte hervor kramte und anfing neue zu schreiben. So war der große Kummer auch großes Glück.

Wann kommen dir die Ideen für deine Gedichte und Geschichten?

Die Gedichte und Kürzestgeschichten schreibe ich in Cafés, in der Sauna, im Zug. Immer unterwegs. Manchmal trage ich die Idee für einen Text einige Tage oder gar Wochen mit mir rum, bis ich ihn einfach runter schreibe in wenigen Minuten. Das sind mir die liebsten.

Was waren bisher deine schönsten Momente als Postkartenautorin?

Die schönsten Momente sind die, wenn die Postkarten schöne Erinnerungen wecken. Einmal erzählte mir jemand, nachdem sie ein Gedicht gelesen hatte, wie sie im blauen See baden war, schwerelos fühlte sie sich. Das war einzigartig für sie. Dabei leuchteten ihre Augen.

Was bedeuten dir Postkarten und Briefe?

Sie sind für mich eine Form der Kommunikation, die mehr nach innen geht. Durch die Hand geschrieben empfinde ich sie als persönlicher. Meine beste Freundin und ich wohnen mittlerweile am jeweils anderen Ende von Deutschland. Leider schaffen wir es kaum uns zu schreiben. Daher schreiben wir uns Briefe über die Themen, die wir diskutieren wollen. Unser letztes Thema war Glück und Glücklichsein. Ich freue mich immer, wenn ich wieder einen Brief von ihr in der Post finde. Und genauso geht es mir mit Postkarten.

Erzählt die Handschrift eines Menschen etwas über ihn?

Vor einiger Zeit schrieb ich auf Twitter: Unsere Handschrift verrät etwas über uns. Nur was, das ist die Frage. Eine poetische.  Wenn ich einen handschriftlichen Text sehe, stelle ich mir gleich die Person dazu vor. Das muss nicht konkret sein. Dennoch lässt es zwischen SchreiberIn und LeserIn eine Nähe entstehen und gibt einen kleinen Einblick in die Welt. Wenn auch nur gefühlt. 

Etwas Neues zu wagen braucht Mut und Kraft, manches hat einen langen Vorlauf. Wie empfindest du diesen Weg zu einem bestimmten Ziel?

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist anzufangen. Es muss nicht perfekt sein, alles kann sich entwickeln. Viel wichtiger ist es, sich ans Herz zu fassen und einfach zu machen. Wenn man nicht anfängt, verlieren sich vielleicht sogar die Ziele und Wünsche. Und darum wäre es doch sehr schade.

Jennifer findest du auf Facebook: https://www.facebook.com/nachtblau/photos und Instagram: https://www.instagram.com/postkartenautorin/ sowie auf Twitter als @nachtblau und @goldmomente.

Bildrechte: Jennifer Düing

Von einem Einkaufszettel im Park und seinen Geschichten

 

 

Eine Geschichte entsteht manchmal nur durch eine Gegebenheit, durch einen bestimmten Moment. So war es auch mit „Letzte Zutat Liebe“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich mag die Einkaufszettel von anderen. Wenn ich einen im Einkaufswagen finde, schaue ich ihn mir an, betrachte die Art des Papiers, fahre die Handschrift mit der Fingerspitze entlang und studiere die Liste darauf. Ich stelle mir vor, wie die Verfasserin oder der Verfasser sie geschrieben hat und wofür. Manche Zettel sind sehr schlicht gehalten, einige detailliert, fast alle sind mit Kugelschreiber verfasst und oft auf kleinen weißen Notizzetteln aus einem Block. Ich lege die Zettel immer zurück, vielleicht schaut sie sich jemand anderes ja genauso gerne an wie ich.
Wenn ich spazieren gehen, schaue ich meist auf den Boden, auch wenn ich die Bäume und die Wolken liebe, halte ich gern Ausschau nach Steinen. Im März 2016 ging ich durch einen kleinen Park in der Nähe meiner Wohnung und sah etwas Weißes aufblitzen. Es war ein Zettel. Ich betrachtete ihn genauer, es war ein Einkaufszettel. Dafür, dass er auf der Erde gelegen hatte, war er kaum verschmutzt. Ich setzte mich in die Sonne und betrachtete ihn lange. Ich fragte mich, ob ihm jemand aus der Tasche gefallen war? Ich fand den Fundort ungewöhnlich, im Park zückt man selten seine Geldbörse. Der Knick in der Mitte war stark ausgeprägt, so als habe das Papier etwas länger in dieser Position verharrt. Vielleicht hatte ihn jemand eine Zeit lang in der Hosentasche?
Es war schön, was dieser Zettel alles in mir auslöste und zu welchen Fragen er mich verleitete. Die Zutaten schienen für ein umfangreiches Gericht zu sein, vielleicht sogar geplant für einen Besuch oder eine kleine Feier. Mir gefiel die Handschrift, besonders das große „K“ und das „L“, sie waren wie kleine Kunstwerke. Ich mochte den „Filzkleber“, der inmitten der Lebensmittel auftauchte, er tanzte so herrlich aus der Reihe, zudem schien er, so wie das Wort “Bananen”, von jemand anderem dazu geschrieben worden zu sein.
Ich behielt den Zettel und in den darauffolgenden Tagen schweiften meine Gedanken immer wieder ab. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, der Verfasserin oder dem Verfasser ein paar Fragen zu stellen, hätte ich sie gerne genutzt. Wer weiß, was für eine Geschichte ich zu diesem Zettel erfahren hätte? Was mir persönlich nicht gelang, ließ ich meine damalige Hauptfigur, die neugierige Astronautin Laura erleben. Sie fand einen Zettel, folgte seiner Spur und traf auf die Köchin June. So entstand nach und nach ihre gemeinsame Geschichte. Was scheinbare Kleinigkeiten auslösen können, fasziniert mich immer wieder, ich denke, dass es sich lohnt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Hier geht es zu “Letzte Zutat Liebe”: https://ylva-verlag.de/buecher/letzte-zutat-liebe/

Bildrechte: (1) K. Salamon; (2) I. Steg.

Über das Glück, mit jemandem eine Geschichte zu schreiben

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“Gasse ohne Mondlicht”

 

 

 

Schreibprojekt mit Jolene Walker

Sechs Monate lang durfte ich mich auf ein Schreibabenteuer einlassen, was in mir tiefe Spuren hinterlassen hat. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht nur über das Schreiben selbst, sondern auch, wie ich anderen Menschen begegne.

Ich folge Jolene Walker seit langer Zeit auf Twitter. Ich mag ihre Tweets über starke Gefühle, wie Sehnsucht, Leidenschaft und Liebe, aber auch über Zweifel und Trauer. Jolene hat den Mut diese Empfindungen klar zu benennen. Dieser Mut findet sich auch in ihren Geschichten. Ihre Figuren stecken oft in einem Strudel aus Gefühlen, sind in ihren Worten und Gesten aber sehr klar und treffen einen damit mitten ins Herz.

Ich arbeitete im letzten Jahr an einer Geschichte, deren Thema mir sehr wichtig ist. Ich habe es schon ein paar Mal erleben dürfen, Menschen zu treffen, die ich sehr mochte, aber nicht klar benennen konnte, in welche konkrete Richtung das Ganze ging. Bevor ich oder der beziehungsweise die andere den nächsten Schritt machte, trennten sich unsere Wege. Ich habe mich gefragt, wie es gelaufen wäre, wenn man den Mut gehabt hätte, sich nur für einen einzigen Abend zu treffen, mit der Übereinkunft, sich gegenseitig Fragen zu stellen und diese ehrlich zu beantworten.                                                         Ich fühlte mich zu Jolenes Art des Schreibens hingezogen. Vielleicht spürte ich auch, dass es eine Art war, die mir zu diesem Zeitpunkt sehr fehlte. Denn die beiden Frauen, Jill und Catrin, blieben trotz meines Vorhabens, sie mutig sein zu lassen, in meiner Geschichte eher oberflächlich. Ich fragte Jolene, ob sie mit mir an der Geschichte arbeiten wolle. Sie sagte zu. Ihre Idee, den Text von Beginn an gemeinsam zu bearbeiten war genau richtig. Wir tauschten uns über die Hintergründe von Jill und Catrin aus und ließen ihr Treffen in einem etwas heruntergekommenen, aber gemütlichen italienischen Restaurant stattfinden. Wir legten weder den Verlauf, noch das Ende der Geschichte fest. Ich machte den Anfang und als ich den Text abgeschickt hatte, erlebte ich etwas sehr Schönes. Mich packte Nervosität und Vorfreude zugleich. Ich, beziehungsweise Catrin, saß in dem Restaurant und wartete.

Wenn man alleine für seine Figuren und den Verlauf der Geschichte verantwortlich ist, weiß man in welche Richtung man will. Man schreibt und webt die Fäden unaufhörlich weiter. Doch unsere Art der Zusammenarbeit zwang mich, abzuwarten was passieren würde. Und so, wie es im Leben auch oft ist, malte ich mir dennoch aus, wie die Begegnung ablaufen könnte. Als Jolene mir den nächsten Abschnitt schickte, traf Catrin auf eine charmante, aber auch vorsichtige Jill, von der ich insgeheim gehofft hatte, sie wäre offener. Ich hatte mir gewünscht, dass Jill das Ruder übernehmen würde und Catrin einfach auf sie reagieren müsse. Zwischen ihnen entstand eine intime und sehnsuchtsvolle Spannung. Keine von beiden wollte diese durch falsche Worte oder Gesten kaputt machen. Mir wurde klar, dass ich die beiden durch meine Vorüberlegungen nicht mehr in eine bestimmte Richtung drängen wollte. Ich verweilte in der jeweiligen Situation, wenn ich den Text abschickte und ließ mich darauf ein, erst zu reagieren, wenn die neue Entwicklung vor mir lag. Ich wusste nie, was mich erwartete und konnte mich nicht darauf vorbereiten, was der neue Abschnitt in mir auslösen würde. Das machte das Schreiben zu einem sehr intensiven Erlebnis.

Diese Erfahrung hat mich verändert. Ich will seitdem anderen Menschen bewusster begegnen. Ich versuche, mir nicht ständig vorzustellen, wie ein Treffen ablaufen könnte oder wünsche mir bestimmte Reaktionen herbei. Ich begebe mich in die Situation und lasse sie mit dem anderen entstehen. Ich spüre, dass diese Herangehensweise mein Schreiben ebenfalls beeinflusst. Ich lasse die Figuren aufeinandertreffen, ohne dass ich das Ende der Szene festlege. Mich durchströmt neuer Mut, die Kontrolle abzugeben und mich ganz und gar auf die Gefühle einzulassen, die im Wechselspiel Moment für Moment entstehen. Und das alles, weil Jolene mir ein „Ja“ geschenkt hat. Ich werde diese Zeit nie vergessen.

 

Hier kommt ihr zur “Gasse ohne Mondlicht”

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Auf den Spuren von Robin Hood – Ein Roman entsteht

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        Von der Suche nach einem Romanthema, einer Recherche, die fast in einem Papierkeller geendet hätte und einer Hauptfigur, die einen realen Helden zum Vorbild hat

 

 

 

Nachdem „Alles nur Kulisse“ veröffentlicht war, begann ich mir Gedanken über eine neue Geschichte zu machen, die das Potenzial für einen Roman haben könnte. Da mich die Figuren und die Thematik lange begleitet hatten, verbrachte ich viele Wochen damit zu überlegen, womit ich mich nun intensiv beschäftigen wollte. Ich wusste, dass es etwas sein musste, was meine Neugierde wecken würde, um bei den Recherchen nicht zu schnell aufzugeben, vor allem wenn es mal knifflig werden sollte und ich wollte ein spannendes Thema auswählen, das hoffentlich auch den Leserinnen und Lesern interessante Details vermitteln würde.

Eines Tages betrachtete ich meine Film- und Büchersammlung und ließ die Erinnerungen der Geschichten auf mich wirken. Robin Hoods Abenteuer lösten jedes Mal vielseitige Gefühle bei mir aus. Zum einen hatte er ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm gewählt und blieb doch den Menschen zugewandt. Mehr noch: da ihm selbst große Ungerechtigkeit widerfahren war, tat er alles, um andere davor zu bewahren. Pfiffig, charmant und gewitzt bestahl er die Reichen und verteilte das Geld an die, die es brauchten. Mich berührte der Wille, etwas verändern zu wollen und der Mut, sich gegen die Mächtigen durchzusetzen. Robin machte zudem keinen Unterschied, ob er nur einem Einzelnen helfen konnte oder Vielen, er handelte in dem Bewusstsein, dass jede seiner Gesten, jede kleine Veränderung, wichtig war.

Was würde ich erfahren, wenn ich mich auf die Spuren von Robin Hood begab? Und was für eine Geschichte könnte entstehen, wenn ich Robin in unsere Zeit hineinschreiben würde: als lesbische Frau. Diese beiden Fragen ließen mich nicht mehr los und ich begann zu recherchieren. In der Bibliothek entdeckte ich unter anderem das Buch „Helden gegen das Gesetz“ von Helmut Höfling.

Höfling schrieb in einem witzigen und intensiven Erzählton, der mich später beim Schreiben immer wieder anspornte. Die vielen Fakten, die er in Archiven und alten Schriften recherchiert hatte, brachten mir die Räuberhelden näher, die bis heute den Stoff für Geschichten liefern – auch zur Legende von Robin Hood. Denn dass Robin wirklich existiert hat, konnte bisher nicht bewiesen werden. Auch wenn in der Schatzkammerrolle von Yorkshire für das Jahr 1230 ein gewisser „Robertus Hood fugitivus“ erwähnt wird und Robin Hood um 1400 in Chroniken als historische Gestalt auftaucht, so scheint er doch eine Schöpfung der Volksphantasie zu sein. Diese stützt sich auf die Zeit um 1066, als sich sächsische Bauern und Edelleute gegen die normannischen Eroberer zu Wehr setzen mussten und einige durch ihren Mut hervorstachen.

Doch es gibt einen Mann, der als reales Urbild der literarischen Räuberhauptmänner gesehen werden kann. Am 1. April 1734 wurde Angelus Josephus Duca in der italienischen Provinz Salerno geboren. Er hätte ein Leben als Bergbauer führen können, doch durch einen Streit mit dem Feldhüter des Herzogs, zog er dessen Zorn auf sich. Angelo floh in die Berge und kämpfte von da an für die Unterdrückten, wobei er rohe Gewalt verabscheute und stets eine bestimmende Höflichkeit an den Tag legte. Tausende wählten damals das Leben als Räuber, doch durch seine besondere Art wurde Angelo für die Bevölkerung zum Helden.

Angelos Geschichte inspirierte den deutschen Schriftsteller Christian August Vulpius und er erschuf um 1799 den Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini – diese Figur gibt es bis heute, in neuen Geschichten, Filmen und Theaterstücken. Viele ihrer Charakterzüge wiederum finden sich auch bei Robin Hood. Ich bin sehr dankbar, wie sich manchmal im Leben alles zusammenfügt. Während ich meine Recherchen kurz unterbrach, wurde das vergilbte Buch von Höfling von 1977 aus dem Bestand der Bibliothek ausgesondert. Hätte ich dort später mit der Recherche begonnen, wer weiß, auf welche Quellen ich stattdessen gestoßen wäre und welcher Erzählton mich beim Schreiben begleitet hätte. Das Angebot der Bibliothekarin, mit mir in den Container des Papierkellers zu klettern um das Buch zu suchen, musste ich zum Glück nicht annehmen, da ich noch eine Ausgabe im Internet in einem Antiquariat fand.

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Während der Entwicklung der Geschichte stellte ich mir immer wieder die Frage: Wie würde es meiner Robin in unserer heutigen Gesellschaft gehen, wenn sie sich für andere einsetzte und ihre Interessen hinten anstellte?

 

 

 

 

 

 

Meine Heldin, Robin, wurde mit jeder Zeile, die ich über die alten Räuber las, lebendiger. Was würde ihr in unserer heutigen Gesellschaft widerfahren, wenn sie sich engagierte und für andere einsetzte? Gleichzeitig begann ich nach einer interessanten Frau zu suchen, in die Robin sich verlieben würde. Robin musste oft gegen das Gesetz handeln, wie würde sie sich wohl verändern, wenn ihr Herz plötzlich von einer Frau erobert wird, die voll und ganz hinter diesen Regeln steht? Ich vertiefte mich in die Kriminaltechnik und war fasziniert von der komplexen Arbeit der Techniker und Wissenschaftler. Indem sie die feinsten Spuren sichtbar machen, die kleinsten Details analysieren und diese Indizien zusammenfügen, helfen sie Fälle jeglicher Art aufzuklären. Ich sah eine neugierige Frau vor mir, mit viel Energie und dem Einsatz für das Gute: Hannas und Robins Geschichte konnte beginnen. Ich freue mich, sie endlich mit euch teilen zu dürfen und hoffe, ihr habt viel Vergnügen, die beiden bei ihrer Suche nach Gerechtigkeit und Liebe zu begleiten.

     Weitere Infos zu dem Roman gibt es beim Ylva Verlag: http://ylva-verlag.de/buecher/eine-diebin-zum-verlieben/

Ein Gespräch mit Ulrike Dietmann

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       “Trau dich was!”

 

 

 

 

 

Ulrike Dietmann veröffentlicht Ratgeber und Geschichten, die Leserinnen und Leser dazu bringen, sich auf eine Reise zu begeben, hin zu sich selbst. Nach dem Studium der Philosophie, Theaterwissenschaften, Publizistik und dem Szenischen Schreiben arbeitete die Bad Mergentheimerin als Freie Autorin, schrieb Hörspielgeschichten, Heftromane, Drehbücher und für das Theater. Schon bald half sie anderen Autorinnen und Autoren als Schreibdozentin und -coach und gründete 2008 die „Pegasus-Schreibschule“. Um jedem einen besonderen Weg zu ebnen, einen Pfad zu seiner Authentizität und seinen Gefühlen zu finden, widmet sich Dietmann der pferdegestützten Persönlichkeitsentwicklung. Im Rahmen ihres Unternehmens „Spirit Horse“ bietet sie Workshops an; im Jahr 2009 gründete sie zudem den Verlag „Spiritbooks“. Im Netz findet man Informationen über sie auf ihrer Homepage oder bei Facebook.

Liebe Ulrike, deinem Ratgeber „Heldenreise ins Herz des Autors – Das Handwerk der Inspiration“ hast du folgendes Zitat von Rumi aus dem 13. Jahrhundert vorangestellt:

Klammere dich ans Verrücktsein

Konventionelle Meinungen sind der Ruin unserer Seele,

etwas Geliehenes, das wir mit Eigenem verwechseln.

Da ist es besser, nichts zu wissen;

klammere dich lieber ans Verrücktsein.

Lass die Sicherheit fahren

und sei zu Hause unter den Gefahren.

Lass den guten Namen hinter dir

und nimm die üble Nachrede hin.

Ich habe lange mit vorsichtigen Gedanken gelebt;

jetzt werde ich verrückt werden.

… was bedeuten dir diese Zeilen?

Sie drücken im Wesentlichen das aus, was ich vermitteln möchte. Ich denke, dass viele Menschen mehr wagen und sich trauen sollten, freier zu denken. In jedem von uns steckt ganz viel Potenzial, mehr als man ahnt. Das würde hervorgebracht, wenn man die gewohnten und vorgeschriebenen Pfade verließe und sich traute wilder und verrückter zu sein.

Spiegelt sich diese Zurückhaltung auch bei den deutschen Autorinnen und Autoren wider?

Ja, leider. Ich erlebe das vor allem bei meinen Reisen durch viele verschiedene Länder, denn ich entdecke dort Texte und Geschichten, die nicht nach einem bestimmten Schema geschrieben wurden. Die deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind da eher zurückhaltend. Ich könnte mir vorstellen, dass unsere Literatur davon aufleben könnte und vor allem in anderen Ländern wieder mehr auffallen würde.

Dann würde man als Autor jedoch auch die Angst besiegen müssen, nicht markttauglich zu sein.

Das wichtigste ist, dass die Leser berührt werden. Die Kraft einer Geschichte, eines Textes entwickelt sich nur dann, wenn die Autorin oder der Autor beim Schreiben authentisch war. Wenn er oder sie sich ganz und gar mit dem Thema identifiziert und beschäftigt und mit Leidenschaft und Liebe alles dafür tut, die Worte und seine Botschaft für andere auf das Papier zu bringen, dann wird der Text einen Weg zu seinem Leser finden.

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Warum hast du vor acht Jahren die Pegasus Schreibschule gegründet?

 

 

Ich wollte einen schönen Ort schaffen, an dem kreatives Potenzial frei fließen kann. Ich halte nicht so viel von den klassischen Lernzimmern, bei mir gibt es bequeme Sofas und bunte Stühle und wir gehen zwischendurch raus in die Natur. Durch die Coachings und Workshops möchte ich jedem etwas mitgeben, das er für sich nutzen kann. Ich kann mir in dieser Zeit den einzelnen Menschen anschauen und individuell auf ihn eingehen. Wir sind bei den Workshops meist neun Leute, jeder bringt seine persönlichen, speziellen Ideen mit, die wir vor allem nach dem Modell der Heldenreise ausbauen. Jeder hat eine ganz eigene Stimme und Botschaft und mir ist es wichtig, diese auszugraben. Ich denke, es ist für jeden gut, einen Lehrer zu haben, das erleben wir in vielen Bereichen unseres Lebens. Manchmal kann nur jemand Außenstehendes die Probleme erkennen und benennen oder das Potenzial bestimmter Ideen greifbar machen und dadurch die Entwicklung beschleunigen.

Könntest du das Modell der Heldenreise erläutern?

Die Heldenreise ist ein geniales Modell des Geschichtenerzählens. Damit kann jeder Autor in recht kurzer Zeit lernen, Geschichten zu erzählen, die garantiert spannend sind. Die Heldenreise führt die Hauptfigur durch eine Entwicklung, in der sie eine wahre Veränderung erfährt. Das ist der Kern aller echten Geschichten. Die Heldenreise wird auch in der Persönlichkeitsentwicklung verwendet und ist das effektivste und nachhaltigste Modell für Veränderung, das ich kenne. Sie hört nie auf, mich zu faszinieren. Die Heldenreise beschreibt die Grundstruktur von Geschichten, wie sie zu allen Zeiten in allen Kulturen erzählt wurden. Sie ist deshalb so erfolgreich, weil sie die einzelnen Stadien beschreibt, die die menschliche Psyche durchläuft, wenn sie sich verändert.

Seit 2008 bietest du im Rahmen deines Unternehmens Spirit Horse die spirituelle Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden an. Im Umgang mit den Tieren kommt das eigene Innere zum Vorschein. Warum ist das so?

Tiere reagieren auf das Authentische in einem Menschen. Die Pferde nehmen nur Kontakt auf, wenn du ganz und gar du selbst bist, sie zeigen dir den Unterschied zwischen wahrem Sein und falschen Selbst, denn du kannst ihnen nichts vormachen. Pferde erkennen das Lebendige in dir und antworten darauf. Die Begegnungen mit den Pferden laufen für jeden unterschiedlich ab, es sind ganz persönliche Erfahrungen, die dich auf die unterschiedlichsten Weisen stärken.

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Viele deiner Erkenntnisse gibst du auch in Ratgebern wieder. Deine Bücher erscheinen mittlerweile in deinem eigenen Verlag Spiritbooks, das Kernteam besteht aus vier Leuten sowie zwanzig Autorinnen und Autoren. Was hat dich motiviert, es mit einem eigenen Verlag zu versuchen?

 

 

Als ich mich mit den Möglichkeiten beschäftigte, was dieses selbstbestimmte Arbeiten bedeutet, habe ich eine große Befreiung und Freude erlebt. Für alles rund um ein Buch verantwortlich zu sein, für den Inhalt, den Titel und das Cover und für die Autorinnen und Autoren da sein zu können, bringt besondere Erfahrungen und viele schöne Momente mit sich. Und manchmal erreichen mich Texte, die für andere Verlage nicht lukrativ genug wären. Ich freue mich, dass ich diesen Schriftstellern eine Plattform geben kann.

Werfen wir einen Blick hinter die Kulissen, wie entsteht bei euch ein Cover?

Ganz oft haben die Autorinnen und Autoren schon eine eigene Vorstellung davon, diese ergänzen sie dann mit eigenen Fotos; manche kennen auch Malerinnen oder Maler und sie finden Bilder, die zu ihren Texten passen. Wir schauen gemeinsam, welches Bild die emotionale Botschaft am besten rüberbringen kann. Die Entwicklung von Covern ist spannend, denn dabei passieren manchmal unvorhersehbare Dinge. Die Cover fliegen einem regelrecht zu. Wir hatten das Cover für mein Buch „Das Medizinpferd“ schon festgelegt. Kurz darauf klingelte es an meiner Haustür und die Malerin Daniela Roßner fragte mich, ob sie mir ihre Mappe zeigen könnte und mein Cover lag plötzlich vor mir.

Du schreibst jedes Jahr ungefähr zwei Ratgeber, gibst um die fünfzehn Workshops und einzelne Coachings und bildest Trainer in der Heldenreise mit Pferden aus. Wie geht deine Reise weiter?

Im Augenblick entsteht mein erster Online-Lernkurs und ich bin dabei, Filme für YouTube zu machen. Ich bin fasziniert von den vielen Möglichkeiten, die die Entwicklung der Technologie bietet. Da ich ein Mensch mit einer Mission bin, sucht etwas in mir immer nach neuen Wegen, Menschen zu erreichen. Das ist meine Natur: andere zu berühren, Menschen zu begegnen und mit ihnen zu wachsen. Das macht mich glücklich.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Bildrechte: Ulrike Dietmann

 

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