Wie entsteht ein Buchcover?

In diesem Beitrag möchte ich dir erzählen, wie meine Buchcover in Zusammenarbeit mit dem Ylva Verlag entstehen und warum das für mich immer wieder eine besondere Zeit ist.

Wie gehst du vor, wenn du einen Buchladen aufsuchst, um dir ein neues Buch zu kaufen oder im Internet stöberst? Wovon lässt du dich leiten? Was genau an einem Cover berührt dich und spricht dich an?

 

Diese drei Bücher habe ich mir zuletzt gekauft, weil die Cover mich gepackt haben.

 

Das Eintrittstor in die Geschichte

Wenn ich nicht ganz gezielt nach der Neuerscheinung meiner Lieblingsautorin oder meines Lieblingsautors schaue, lasse ich meinen Blick über die Cover der Bücher schweifen. Was mich immer als erstes einnimmt, ist die Farbe eines Einbandes beziehungsweise eines Bildes. Suche ich zum Beispiel nach etwas gefühlvollem, sprechen mich helle Farben an und ist mir nach etwas nachdenklicherem, reagiere ich vor allem auf dunklere Farben. Ein Cover sollte somit vor allem die Atmosphäre eines Buches wiedergeben, um die eigene Gefühlswelt anzusprechen.

Für mich ist das Buchcover der Eingang, zu der Welt, die sich dahinter verbirgt.

Stell dir vor, wir stehen an einem Tor vor einem umzäunten Park. Das Tor ist aus Holz, die hellblaue Farbe ist abgesplittert, über seinen beiden Pfählen rankt Efeu und die Wurzeln eines Baumes haben sich durch den Zaun gedrückt. Ein Gewitter zieht auf und dicke, graue Wolken wandern über unseren Köpfen am Himmel entlang. Würden wir durch das Tor gehen, würde ich dahinter hohe Bäume erwarten, wilde Büsche, Krähen in den Ästen und unbeschnittene Rosensträucher. Und du?

Am nächsten Tag besuchen wir einen anderen Park, er ist ebenfalls umzäunt. Der goldenen Türknauf des schwarzen Eisentores glänzt in der Sonne. Der Himmel strahlt in hellem Blau. Vor den Pfählen des Tores befinden sich zwei Steinkübel mit gelben Rosen, die an Stöcken hochgebunden in die Höhe ragen. Wenn wir hindurchgehen, hätte ich die Erwartung, dass wir weite Flächen mit jungen Bäumen, kurzgeschnittenem Gras und gepflegten Blumenbeeten sehen würden. Du auch?

Genauso, wie dieser erste Eindruck des Eingangsbereiches bestimmte Erwartungen an das „Dahinter“ schürt, tut dies auch ein Cover.

Farben, Motiv, Details und Titel – Ein Zusammenspiel

Wenn ich mich von den Farben eines Buches angezogen fühle, lasse ich die weiteren Details auf dem Bild auf mich wirken, danach lese ich den Titel. Gefällt er mir, betrachte ich das Bild noch mal genauer. Denn genauso, wie der Titel mir bereits etwas über den Inhalt verrät, finden sich in dem Bild vielleicht weitere Informationen zu der Geschichte.

Betrachten wir gemeinsam die Cover der letzten drei Bücher, die ich mir gekauft habe. Der Titel „Die Zutaten zum Glück“ hätte zunächst eine Anspielung auf alle möglichen Zutaten sein können, jedoch geben die Bild-Details einen weiteren Hinweis auf die Geschichte. Tatsächlich ist die Hauptfigur eine leidenschaftliche Köchin, allerdings wird sie vor allem für ihre Kuchen von allen umschwärmt.

In der Geschichte „Weihnachten auf Samtpfoten“ taucht neben der weiblichen Hauptrolle eine weitere auf: eine Katze.

Das Cover von „Meine Freundin Angst“ ist künstlerisch und liebevoll gemalt. Meera Lee Patel hat sowohl das Cover, wie auch das gesamte Buch, selbst gestaltet. Das Zusammenspiel der dunklen und hellen Farben unterstützt die Wortkombination ‘Angst und Freundin’ (negativ/positiv) des Titels.

 Die Essenz der Geschichte

Du kennst diese Situationen vielleicht auch, wenn du einen vielfältigen Inhalt in nur wenigen Worten wiedergeben sollst, zum Beispiel deinen Lebenslauf. Du überlegst dir vielleicht als erstes, wem du das Ganze erzählen wirst. Du fragst dich, was denjenigen besonders interessieren könnte und daraus ergibt sich die Frage, was ist die Essenz des Ganzen?

Ähnlich gehen ich und mein Verlag vor, wenn wir ein Cover planen und gestalten. Es geht um die Atmosphäre und den Kerninhalt des Buches, um dir als Leser*in einen ersten Eindruck zu geben, worauf du dich freuen kannst.

Das Grundgefühl in einem Bild

Wenn ich eine Geschichte schreibe, begleitet mich durchgängig ein bestimmtes Gefühl, welches ich am besten in Farbtönen wiedergegen kann. In meinem Roman „Letzte Zutat Liebe“ sind die beiden Hauptfiguren eine Köchin und eine Astronautin. Es geht um Düfte und Aromen, aber auch um die intensiven Farben unseres schönen Planeten beim Blick aus dem Weltall. Unnatürliche oder zu grelle Farben hätten in diesem Fall nicht zur Atmosphäre der Geschichte gepasst.

 

Der Ylva Verlag bezieht mich als Autorin in die Covergestaltung sehr stark mit ein. Vorab gibt es einen Fragebogen, der ihnen und dem Grafiker bzw. der Grafikerin helfen soll, meine Wünsche zu verstehen. Dort führe ich drei Beispiel-Cover von anderen Autorinnen aus dem gleichen Genre auf, um die Atmosphäre wiederzugeben, die in der Geschichte bestimmend ist. Hier geht es vor allem wieder um die Farbgebung, aber auch um die Anordnung auf dem Cover. Als weiteren Punkt zähle ich wichtige Motive auf, die eventuell zu sehen sein sollten. Die Verlegerin bespricht diese Ideen mit dem bzw. der Coverdesigner*in und sie lassen ihre gesammelten Erfahrungen mit hineinfließen.

Das Cover von „Letzte Zutat Liebe“ zu sehen, war für mich sehr berührend, denn ich hatte es mir in dem Stil erhofft und Dank der engen Zusammenarbeit im Vorfeld, gab es dieses Ergebnis. Ich finde, der Astronautenhelm und die Kochutensilien verraten schon einiges über die Hauptfiguren und die Themen. Die ungewöhnliche Kombination auf der Arbeitsplatte macht neugierig.

Es ist für mich immer ein sehr bewegender Moment, wenn das Cover fertig ist, denn ich weiß, es wird das Erste sein, was du zu sehen bekommst. Nach bis zu zwei Jahren Arbeit an der Geschichte, kann ich dir endlich das Tor zeigen, durch das es hindurch geht, in die Welt, die ich dir so gerne zeigen möchte.

Mein absolutes Lieblingscover ist übrigens dieses:

Ich mag Bilder von Händen sehr gerne und ich liebe Filme, deshalb finde ich diese Kombination besonders toll. Zudem ist „Liebe à la Hollywood“ auch eine meiner Lieblingsgeschichten geworden. Das Cover hat also gehalten, was es versprochen hat.

Hast du ein Lieblingscover? Findest du meine Herangehensweise und die vom Ylva Verlag gut, oder gibt es noch andere Dinge, die du dir auf einem Cover wünschen würdest? Ich bin sehr neugierig, was du darüber denkst und würde mich freuen, wenn du mir etwas dazu schreibst (inaspostkasten@ina-steg.de).

Herzlich

deine Ina

 

 

Drei Künstlerinnen – Ein Buch: „Die Reise des Fuchses“


Ich kenne deinen Namen gar nicht, sagte der Fuchs eines Tages zur Krähe. Doch, antwortete sie.

© Madita Sternberg

Alles begann im Herbst 2017 mit einem Tweet auf Twitter. Die Bedeutung von Tieren in Märchen und Fabeln hat mich schon immer auf tiefe Weise berührt. Als ich längere Zeit gedanklich feststeckte, suchte ich einen Weg, die Situation anders betrachten zu können und plötzlich saß da der Fuchs am Fluss und stellte ihm Fragen. Kurz darauf landete die Krähe am Ufer. Sie gab dem Fuchs Antworten und immer öfter gingen sie ein Stück des Weges gemeinsam. Ich bekam wunderschöne Rückmeldungen zu den Tweets und wollte gerne mehr daraus machen.

Anna Thur und ich arbeiten schon seit vielen Jahren immer mal wieder zusammen an kleinen Projekten. Sie hatte erkannt, dass sich der Fuchs im Laufe der Zeit auf eine Reise begeben hatte. Sie wollte die einzelnen Momente verbinden.

Anna Thur: Der Fuchs tauchte immer wieder auf Twitter auf. Ich bemerkte, dass es kleine Teile von einem großen Ganzen sind, das musste einfach zusammengeführt werden.

Ihr Ansporn, ein Buch daraus zu machen, ermutigte mich, eine Idee weiterzuverfolgen, die mich in Bezug auf den Fuchs seit Beginn nicht mehr losgelassen hatte. Ich wollte ihn zeichnen lassen. Ich mag die Art der Illustrationen von Madita Sternberg sehr. Sie hat eine Hingabe für Details und Gespür für die Atmosphäre eines Momentes.

Madita Sternberg: Nach den ersten Skizzen in unterschiedlichen Stilen war schnell klar, dass der Fuchs und die Krähe ganz besonders aussehen mussten. Für mich wirkten die Texte immer wie eine Art Traum, und so fand ich es passend, dass auch die Bilder ein wenig nach einem Traum aussehen sollten.

Ich unterteilte das Buch in vier Kapitel, Madita zeichnete dazu und Anna gab den kleinen Momenten einen neuen Rhythmus und brachte alles zusammen in Buchform. Ich freue mich sehr, dass euch der Fuchs nun mit auf seine Reise nehmen kann.

Hier geht es zum Buch, darin findet ihr übrigens auch das ganze Gespräch zu unserem Projekt. Ich wünsche euch viel Freude damit.

Szenengerüst – Vorbereitung für das Schreiben

Ihr Lieben, ich entwickle gerade ein Szenengerüst zur Vorbereitung auf das Schreiben. Ich habe gemerkt, dass ich mich beim reinen schreiben der Szene immer auf zu vieles konzentrieren musste. Das war nicht nur anstrengend, sondern hat den Schreibfluss oft unterbrochen. Also habe ich ein Szenengerüst entwickelt, um vorher schon einiges festzulegen. Bisher habe ich folgenden Aufbau:

Aus welcher Situation kommt die Figur?

Welche Emotionen hat die Hauptfigur in der Szene?

Welche Stimmung herrscht ggf. bei den anderen Figuren?

Ist es eine zufällige oder geplante Situation in dieser Szene?

Wo findet die Szene statt?

Welche Atmosphäre herrscht dort und warum?

Welche Komponenten könnten die Atmosphäre und die Emotionen unterstreichen? (Hier auch an extreme Gegensätze denken)

  • Wetter:
  • Lichtverhältnisse:
  • Räumlichkeiten:
  • Einengende oder weite Kulisse:

Wonach riecht es?

Was für Geräusche gibt es?

Welche Farben dominieren?

Was löst die Umgebung bei der Figur aus?

Was wird die Figur erfahren, was sie vorher nicht wusste?

Welche Szene folgt?

Wird es eine zufällige oder geplante Situation?

Wie geht es der Figur am Ende der Szene?

Was hat sie Neues erfahren?

Was hat sich in ihrer inneren Einstellung verändert?

Schreibt mir, ob ihr mit ähnlichen Instrumenten arbeitet und/oder was ihr bei diesem Gerüst noch ergänzen würdet. Und meine lieben Leserinnen und Leser: Wodurch wird für euch eine Szene lebendig? An was erinnert ihr euch hinterher besonders? Ich freue mich auf eure Mails:

InasPostkasten@ina-steg.de

Von einem Einkaufszettel im Park und seinen Geschichten

 

 

Eine Geschichte entsteht manchmal nur durch eine Gegebenheit, durch einen bestimmten Moment. So war es auch mit „Letzte Zutat Liebe“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich mag die Einkaufszettel von anderen. Wenn ich einen im Einkaufswagen finde, schaue ich ihn mir an, betrachte die Art des Papiers, fahre die Handschrift mit der Fingerspitze entlang und studiere die Liste darauf. Ich stelle mir vor, wie die Verfasserin oder der Verfasser sie geschrieben hat und wofür. Manche Zettel sind sehr schlicht gehalten, einige detailliert, fast alle sind mit Kugelschreiber verfasst und oft auf kleinen weißen Notizzetteln aus einem Block. Ich lege die Zettel immer zurück, vielleicht schaut sie sich jemand anderes ja genauso gerne an wie ich.
Wenn ich spazieren gehen, schaue ich meist auf den Boden, auch wenn ich die Bäume und die Wolken liebe, halte ich gern Ausschau nach Steinen. Im März 2016 ging ich durch einen kleinen Park in der Nähe meiner Wohnung und sah etwas Weißes aufblitzen. Es war ein Zettel. Ich betrachtete ihn genauer, es war ein Einkaufszettel. Dafür, dass er auf der Erde gelegen hatte, war er kaum verschmutzt. Ich setzte mich in die Sonne und betrachtete ihn lange. Ich fragte mich, ob ihm jemand aus der Tasche gefallen war? Ich fand den Fundort ungewöhnlich, im Park zückt man selten seine Geldbörse. Der Knick in der Mitte war stark ausgeprägt, so als habe das Papier etwas länger in dieser Position verharrt. Vielleicht hatte ihn jemand eine Zeit lang in der Hosentasche?
Es war schön, was dieser Zettel alles in mir auslöste und zu welchen Fragen er mich verleitete. Die Zutaten schienen für ein umfangreiches Gericht zu sein, vielleicht sogar geplant für einen Besuch oder eine kleine Feier. Mir gefiel die Handschrift, besonders das große „K“ und das „L“, sie waren wie kleine Kunstwerke. Ich mochte den „Filzkleber“, der inmitten der Lebensmittel auftauchte, er tanzte so herrlich aus der Reihe, zudem schien er, so wie das Wort “Bananen”, von jemand anderem dazu geschrieben worden zu sein.
Ich behielt den Zettel und in den darauffolgenden Tagen schweiften meine Gedanken immer wieder ab. Hätte ich die Möglichkeit gehabt, der Verfasserin oder dem Verfasser ein paar Fragen zu stellen, hätte ich sie gerne genutzt. Wer weiß, was für eine Geschichte ich zu diesem Zettel erfahren hätte? Was mir persönlich nicht gelang, ließ ich meine damalige Hauptfigur, die neugierige Astronautin Laura erleben. Sie fand einen Zettel, folgte seiner Spur und traf auf die Köchin June. So entstand nach und nach ihre gemeinsame Geschichte. Was scheinbare Kleinigkeiten auslösen können, fasziniert mich immer wieder, ich denke, dass es sich lohnt, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Hier geht es zu “Letzte Zutat Liebe”: https://ylva-verlag.de/buecher/letzte-zutat-liebe/

Bildrechte: (1) K. Salamon; (2) I. Steg.

Über das Glück, mit jemandem eine Geschichte zu schreiben

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“Gasse ohne Mondlicht”

 

 

 

Schreibprojekt mit Jolene Walker

Sechs Monate lang durfte ich mich auf ein Schreibabenteuer einlassen, was in mir tiefe Spuren hinterlassen hat. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht nur über das Schreiben selbst, sondern auch, wie ich anderen Menschen begegne.

Ich folge Jolene Walker seit langer Zeit auf Twitter. Ich mag ihre Tweets über starke Gefühle, wie Sehnsucht, Leidenschaft und Liebe, aber auch über Zweifel und Trauer. Jolene hat den Mut diese Empfindungen klar zu benennen. Dieser Mut findet sich auch in ihren Geschichten. Ihre Figuren stecken oft in einem Strudel aus Gefühlen, sind in ihren Worten und Gesten aber sehr klar und treffen einen damit mitten ins Herz.

Ich arbeitete im letzten Jahr an einer Geschichte, deren Thema mir sehr wichtig ist. Ich habe es schon ein paar Mal erleben dürfen, Menschen zu treffen, die ich sehr mochte, aber nicht klar benennen konnte, in welche konkrete Richtung das Ganze ging. Bevor ich oder der beziehungsweise die andere den nächsten Schritt machte, trennten sich unsere Wege. Ich habe mich gefragt, wie es gelaufen wäre, wenn man den Mut gehabt hätte, sich nur für einen einzigen Abend zu treffen, mit der Übereinkunft, sich gegenseitig Fragen zu stellen und diese ehrlich zu beantworten.                                                         Ich fühlte mich zu Jolenes Art des Schreibens hingezogen. Vielleicht spürte ich auch, dass es eine Art war, die mir zu diesem Zeitpunkt sehr fehlte. Denn die beiden Frauen, Jill und Catrin, blieben trotz meines Vorhabens, sie mutig sein zu lassen, in meiner Geschichte eher oberflächlich. Ich fragte Jolene, ob sie mit mir an der Geschichte arbeiten wolle. Sie sagte zu. Ihre Idee, den Text von Beginn an gemeinsam zu bearbeiten war genau richtig. Wir tauschten uns über die Hintergründe von Jill und Catrin aus und ließen ihr Treffen in einem etwas heruntergekommenen, aber gemütlichen italienischen Restaurant stattfinden. Wir legten weder den Verlauf, noch das Ende der Geschichte fest. Ich machte den Anfang und als ich den Text abgeschickt hatte, erlebte ich etwas sehr Schönes. Mich packte Nervosität und Vorfreude zugleich. Ich, beziehungsweise Catrin, saß in dem Restaurant und wartete.

Wenn man alleine für seine Figuren und den Verlauf der Geschichte verantwortlich ist, weiß man in welche Richtung man will. Man schreibt und webt die Fäden unaufhörlich weiter. Doch unsere Art der Zusammenarbeit zwang mich, abzuwarten was passieren würde. Und so, wie es im Leben auch oft ist, malte ich mir dennoch aus, wie die Begegnung ablaufen könnte. Als Jolene mir den nächsten Abschnitt schickte, traf Catrin auf eine charmante, aber auch vorsichtige Jill, von der ich insgeheim gehofft hatte, sie wäre offener. Ich hatte mir gewünscht, dass Jill das Ruder übernehmen würde und Catrin einfach auf sie reagieren müsse. Zwischen ihnen entstand eine intime und sehnsuchtsvolle Spannung. Keine von beiden wollte diese durch falsche Worte oder Gesten kaputt machen. Mir wurde klar, dass ich die beiden durch meine Vorüberlegungen nicht mehr in eine bestimmte Richtung drängen wollte. Ich verweilte in der jeweiligen Situation, wenn ich den Text abschickte und ließ mich darauf ein, erst zu reagieren, wenn die neue Entwicklung vor mir lag. Ich wusste nie, was mich erwartete und konnte mich nicht darauf vorbereiten, was der neue Abschnitt in mir auslösen würde. Das machte das Schreiben zu einem sehr intensiven Erlebnis.

Diese Erfahrung hat mich verändert. Ich will seitdem anderen Menschen bewusster begegnen. Ich versuche, mir nicht ständig vorzustellen, wie ein Treffen ablaufen könnte oder wünsche mir bestimmte Reaktionen herbei. Ich begebe mich in die Situation und lasse sie mit dem anderen entstehen. Ich spüre, dass diese Herangehensweise mein Schreiben ebenfalls beeinflusst. Ich lasse die Figuren aufeinandertreffen, ohne dass ich das Ende der Szene festlege. Mich durchströmt neuer Mut, die Kontrolle abzugeben und mich ganz und gar auf die Gefühle einzulassen, die im Wechselspiel Moment für Moment entstehen. Und das alles, weil Jolene mir ein „Ja“ geschenkt hat. Ich werde diese Zeit nie vergessen.

 

Hier kommt ihr zur “Gasse ohne Mondlicht”

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Auf den Spuren von Robin Hood – Ein Roman entsteht

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        Von der Suche nach einem Romanthema, einer Recherche, die fast in einem Papierkeller geendet hätte und einer Hauptfigur, die einen realen Helden zum Vorbild hat

 

 

 

Nachdem „Alles nur Kulisse“ veröffentlicht war, begann ich mir Gedanken über eine neue Geschichte zu machen, die das Potenzial für einen Roman haben könnte. Da mich die Figuren und die Thematik lange begleitet hatten, verbrachte ich viele Wochen damit zu überlegen, womit ich mich nun intensiv beschäftigen wollte. Ich wusste, dass es etwas sein musste, was meine Neugierde wecken würde, um bei den Recherchen nicht zu schnell aufzugeben, vor allem wenn es mal knifflig werden sollte und ich wollte ein spannendes Thema auswählen, das hoffentlich auch den Leserinnen und Lesern interessante Details vermitteln würde.

Eines Tages betrachtete ich meine Film- und Büchersammlung und ließ die Erinnerungen der Geschichten auf mich wirken. Robin Hoods Abenteuer lösten jedes Mal vielseitige Gefühle bei mir aus. Zum einen hatte er ein Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm gewählt und blieb doch den Menschen zugewandt. Mehr noch: da ihm selbst große Ungerechtigkeit widerfahren war, tat er alles, um andere davor zu bewahren. Pfiffig, charmant und gewitzt bestahl er die Reichen und verteilte das Geld an die, die es brauchten. Mich berührte der Wille, etwas verändern zu wollen und der Mut, sich gegen die Mächtigen durchzusetzen. Robin machte zudem keinen Unterschied, ob er nur einem Einzelnen helfen konnte oder Vielen, er handelte in dem Bewusstsein, dass jede seiner Gesten, jede kleine Veränderung, wichtig war.

Was würde ich erfahren, wenn ich mich auf die Spuren von Robin Hood begab? Und was für eine Geschichte könnte entstehen, wenn ich Robin in unsere Zeit hineinschreiben würde: als lesbische Frau. Diese beiden Fragen ließen mich nicht mehr los und ich begann zu recherchieren. In der Bibliothek entdeckte ich unter anderem das Buch „Helden gegen das Gesetz“ von Helmut Höfling.

Höfling schrieb in einem witzigen und intensiven Erzählton, der mich später beim Schreiben immer wieder anspornte. Die vielen Fakten, die er in Archiven und alten Schriften recherchiert hatte, brachten mir die Räuberhelden näher, die bis heute den Stoff für Geschichten liefern – auch zur Legende von Robin Hood. Denn dass Robin wirklich existiert hat, konnte bisher nicht bewiesen werden. Auch wenn in der Schatzkammerrolle von Yorkshire für das Jahr 1230 ein gewisser „Robertus Hood fugitivus“ erwähnt wird und Robin Hood um 1400 in Chroniken als historische Gestalt auftaucht, so scheint er doch eine Schöpfung der Volksphantasie zu sein. Diese stützt sich auf die Zeit um 1066, als sich sächsische Bauern und Edelleute gegen die normannischen Eroberer zu Wehr setzen mussten und einige durch ihren Mut hervorstachen.

Doch es gibt einen Mann, der als reales Urbild der literarischen Räuberhauptmänner gesehen werden kann. Am 1. April 1734 wurde Angelus Josephus Duca in der italienischen Provinz Salerno geboren. Er hätte ein Leben als Bergbauer führen können, doch durch einen Streit mit dem Feldhüter des Herzogs, zog er dessen Zorn auf sich. Angelo floh in die Berge und kämpfte von da an für die Unterdrückten, wobei er rohe Gewalt verabscheute und stets eine bestimmende Höflichkeit an den Tag legte. Tausende wählten damals das Leben als Räuber, doch durch seine besondere Art wurde Angelo für die Bevölkerung zum Helden.

Angelos Geschichte inspirierte den deutschen Schriftsteller Christian August Vulpius und er erschuf um 1799 den Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini – diese Figur gibt es bis heute, in neuen Geschichten, Filmen und Theaterstücken. Viele ihrer Charakterzüge wiederum finden sich auch bei Robin Hood. Ich bin sehr dankbar, wie sich manchmal im Leben alles zusammenfügt. Während ich meine Recherchen kurz unterbrach, wurde das vergilbte Buch von Höfling von 1977 aus dem Bestand der Bibliothek ausgesondert. Hätte ich dort später mit der Recherche begonnen, wer weiß, auf welche Quellen ich stattdessen gestoßen wäre und welcher Erzählton mich beim Schreiben begleitet hätte. Das Angebot der Bibliothekarin, mit mir in den Container des Papierkellers zu klettern um das Buch zu suchen, musste ich zum Glück nicht annehmen, da ich noch eine Ausgabe im Internet in einem Antiquariat fand.

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Während der Entwicklung der Geschichte stellte ich mir immer wieder die Frage: Wie würde es meiner Robin in unserer heutigen Gesellschaft gehen, wenn sie sich für andere einsetzte und ihre Interessen hinten anstellte?

 

 

 

 

 

 

Meine Heldin, Robin, wurde mit jeder Zeile, die ich über die alten Räuber las, lebendiger. Was würde ihr in unserer heutigen Gesellschaft widerfahren, wenn sie sich engagierte und für andere einsetzte? Gleichzeitig begann ich nach einer interessanten Frau zu suchen, in die Robin sich verlieben würde. Robin musste oft gegen das Gesetz handeln, wie würde sie sich wohl verändern, wenn ihr Herz plötzlich von einer Frau erobert wird, die voll und ganz hinter diesen Regeln steht? Ich vertiefte mich in die Kriminaltechnik und war fasziniert von der komplexen Arbeit der Techniker und Wissenschaftler. Indem sie die feinsten Spuren sichtbar machen, die kleinsten Details analysieren und diese Indizien zusammenfügen, helfen sie Fälle jeglicher Art aufzuklären. Ich sah eine neugierige Frau vor mir, mit viel Energie und dem Einsatz für das Gute: Hannas und Robins Geschichte konnte beginnen. Ich freue mich, sie endlich mit euch teilen zu dürfen und hoffe, ihr habt viel Vergnügen, die beiden bei ihrer Suche nach Gerechtigkeit und Liebe zu begleiten.

     Weitere Infos zu dem Roman gibt es beim Ylva Verlag: http://ylva-verlag.de/buecher/eine-diebin-zum-verlieben/

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